MANEO-WERKSTATT 3 - Bericht

THEMA:
Homophobie und schwulenfeindliche Gewalt im öffentlichen Raum:
Wie kommt Licht ins Dunkelfeld – Können Schwule vor Übergriffen besser geschützt werden?

kompletter BERICHT MANEO-WERKSTATT 3 -> werkstatt3report-de.pdf

Report on the MANEO-Werkstatt 3 -> werkstatt3report-en.pdf


kleiner Auszug:

Fachtagung
Am 16. und 17. Mai 2008 begrüßte das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO erneut über einhundertfünfzig Tagungsgäste zu seiner dritten europäischen Konferenz. Offiziell entsandte Vertreter von Polizeien, Regierungsbehörden und Organisationen aus Frankreich, Polen, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Irland und Israel sowie zahlreichen deutschen Bundesländern nutzten die MANEO-Werktstatt 3 abermals als konstruktive Forum zum Erfahrungsaustausch und zur Stärkung des Netzwerkes.

Bastian Finke, Soziologe, MANEO-Projektleiter und Leiter der MANEO-Werkstatt 3 skizzierte in seinem Einleitungsreferat noch einmal die Ziele und Anliegen der Konferenz. Er bedankte sich bei den vielen Helfern und politischen Unterstützern, auch Vertreter der Botschaften der Republik Irland und der Königlich Niederländischen Botschaft, die den interdisziplinären Dialog ausdrücklich begrüßten.

Dank der großzügigen Unterstützung durch die niederländische Botschaft war es Vertretern aus den Niederlanden möglich, an der Konferenz teilzunehmen. Vertreter aus vielen weiteren europäischen Ländern bedauerten aufgrund terminlicher, vor allem aber aus finanziellen Gründen, nicht an der Konferenz teilnehmen zu können. Um so dringlicher das Ziel, diese Konferenzen finanziell abzusichern.

„Die Globalisierung und der europäische Einigungsprozess zwingen uns, die Herausforderungen grenzüberschreitend anzugehen“, erklärte MANEO-Projektleiter Bastian Finke.

Anschließend referierten Dr. Bodo Lippl, Soziologe, Lehrbeauftragter am Institut für Sozialwissenschafter der Humboldt-Universität zu Berlin, und Lola Martín Romero, Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei COGAM, Madrid, Ergebnisse jüngster Untersuchungen zu homophober Gewalt in Deutschland und Spanien.



Workshops
Anschließend zogen sich die Teilnehmer in insgesamt sieben Workshops zurück und diskutierten inhaltliche Fragen zur Themensetzung der Konferenz:

1. Welche Aufgaben stellen sich einem Ansprechpartner der Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen? Ein internationaler Vergleich.
Impulse:
POM Maik Exner-Lamnek (Polizei Schwerin, VelsPol),
Steve Bouali (Polizei Paris, FLAG),
Vincent Creelan (Polizist Belfast a.D., Vorstand im Rainbow-Project Belfast).


2. Welche Aufgaben und Anforderungen stellen sich der Polizeiaus- und Fortbildung im Zusammenhang mit vorurteilsmotivierter homophober Gewalt?
Impuls:
KHK Tom Ulmer (Polizei Stuttgart, VelsPol),
Victor Argelaguet (Polizei Sitges/ Barcelona),
Alina Stepinska (Polizei Warschau, Abt. Ausbildung).


3. Soll die Polizei homophobe, schwulenfeindliche Gewalt erfassen? Kriterien für die Erfassung schwulenfeindlicher Gewalt. Probleme bei der Datenspeicherung von Kommunikationsdaten?
Impuls: Thomas Bernhard Petri (Mitarbeiter beim Berliner Beauftragten für Datenschutz),
KHK Uwe Löher (Polizei Berlin, Ansprechpartner für Lesben und Schwule),
PHK Horst Reulecke (Polizei Köln, Abt. Fortbildung),
Luc Ferrand (HALDE, Frankreich).


4. Wer sorgt sich um die Opfer schwulenfeindlicher Gewalt – auch in ländlichen Regionen verfahren? Brauchen wir mehr Polizeischutz?
Impuls:
Carsten Bock (Katte e.V., Brandenburg),
KHK Horst Heinemann (Polizei Frankfurt a.M., Ansprechparter für Lesben und Schwule),
Raúl Garcia (COGAM, Madrid).


5. Ziele und Perspektiven für gemeinsame europaweite Umfragen zu schwulen-feindlicher Gewalt. Wie können diese aussehen?
Impuls:
Dr. Bodo Lippl (HU-Berlin),
Lola Martin Romero (Soziologin, Madrid).


6. Gewalt in der Familie: Schüler und Jugendliche als Opfer homophober Gewalt. Wie intervenieren?
Impuls:
Adir Steiner (Stadtverwaltung Tel Aviv),
Beate Köhler (Polizei Berlin, Opferschutz),
Manuel Rodenas (COGAM, Madrid).


7. Zweierlei Maß? Findet in Gerichtsurteilen die Verwerflichkeit homophober Gewalt als vorurteilsmotivierte Gewalt angemessene Berücksichtigung?
Impuls:
Thilo Seelbach (Rechtsanwalt, Berlin),
Dirk Siegfried (Rechtsanwalt, Berlin).


Ergebnis der mehrstündigen Intensiv-Workshops ist ein umfangreicher Impulskatalog . (siehe Bericht)


BERICHT:
werkstatt3report-de.pdf

REPORT ENGLISH:
werkstatt3report-en.pdf

Teilnehmer: über 150 offiziell entsandte Vertreter von Polizeien, Regierungs-behörden und Organisationen

aus: Frankreich, Polen, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Irland und Israel sowie zahlreichen deutschen Bundesländern

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© Foto MANEO: Die MANEO-Werkstatt 3 fand im historischen
Rathaus Schöneberg von Berlin statt.…

© Foto MANEO: Die MANEO-Werkstatt 3 fand im historischen Rathaus Schöneberg von Berlin statt.

© Foto MANEO: Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Vincent
Creelan, Adir Steiner, Martin Reichert, Bart Palik, Bastian
Finke, Manuel Rodenas, Luc Ferrand.…

© Foto MANEO: Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Vincent Creelan, Adir Steiner, Martin Reichert, Bart Palik, Bastian Finke, Manuel Rodenas, Luc Ferrand.

Berlins Innensenator Dr. Ehrhart Körting stattete
der dritten MANEO-Werkstatt einen spontanen
Überraschungsbesuch ab.…

Berlins Innensenator Dr. Ehrhart Körting stattete der dritten MANEO-Werkstatt einen spontanen Überraschungsbesuch ab.

© Foto MANEO: Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus
Wowereit und MANEO- Projektleiter Bastian Finke…

© Foto MANEO: Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit und MANEO- Projektleiter Bastian Finke

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MANEO-WERKSTATT 2 – erste Bilanz

Im Rahmen der mittlerweile etablierten deutsch-französisch- polnischen Konferenz soll der europaweite Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt weiter verstärkt werden.

Anknüpfend an den Erfolg der ersten Konferenz in 2006 lud das Berliner Anti-Gewalt-Projekt vom 11. bis 12. Mai 2007 zur Fortsetzung des Dialogs erneut in die deutsche Hauptstadt ein. MANEO begrüßte 120 Tagungsgäste aus Deutschland, Frankreich und Polen zur zweiten MANEO-Werkstatt im Rathaus Schöneberg. Der länderübergreifende Austausch wurde von zahlreichen Vertretern aus Polizeien, Politik und Organisationen interessiert angenommen. Die Veranstaltung bot eine hervorragende Basis für neue Impulse für die zukünftige Projektarbeit in den Ländern.

Unter der Überschrift „Homophobie und schwulenfeindliche Gewalt im öffentlichen Raum: Meldung – Bewertung – Prävention“ standen angesichts des Dunkelfeldes nicht-gemeldeter Straftaten zum Nachteil schwuler Männer viele Fragen auf dem Programm. Hierzu gehörten Fragen nach den möglichen Ursachen für das zurückhaltende Anzeigeverhalten unter Schwulen ebenso wie Fragen nach möglichen Gründen für die Unsicherheiten seitens der Polizei bei der Identifizierung homophober Gewaltdelikte als „vorurteilsmotivierte Straftaten“, und schließlich Fragen nach geeigneten Präventionskonzepten.

Regen Zuspruch fanden sowohl die Workshops als auch die öffentlichen Podiumsdiskussionen, in denen die Teilnehmenden im Anschluss an die Impulsreferate angeregt unter jeweils akzentuierter Fragestellung am Thema arbeiteten.


Breite politische Unterstützung für die MANEO-Werkstatt

Nicht nur das Interesse des Fachpublikums war groß, auch die hiesige Politik würdigte die diesjährige MANEO-Werkstatt, die in ihrer thematischen Ausrichtung als bundesweit beispiellos gelten kann, mit breiter Unterstützung: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der die Schirmherrschaft über den diesjährigen Internationalen Tag gegen Homophobie innehatte, zählt MANEO aufgrund seiner Erfahrung „zu den Vorreitern der gesellschaftlichen Öffnung“ hin zu mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Lebensformen im Land und lobte es in seinem Grußwort als „das erfahrenste schwule Anti-Gewalt-Projekt in Deutschland“.

Auch Berlins Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Heidi Knake-Werner, betonte in ihrer Rede vor dem Auditorium im Willy-Brandt-Saal die immense Bedeutung der Opferhilfe- und Präventionsarbeit von MANEO und sicherte abermals ihre volle Unterstützung zu.


Fehlende öffentliche Aufmerksamkeit erschwert die Situation
für Betroffene wie für Initiativen


Zweifelsohne, Engagement tut weiterhin Not. Denn: Schwulenfeindliche Gewalt findet auch heute noch überall statt – ob in Metropolen wie Berlin, Paris und Warschau, in Kleinstädten oder ländlichen Regionen. Doch sorgen selbst tätliche Übergriffe auf Homosexuelle selten für Schlagzeilen; insbesondere Deutschland fiel in diesem Zusammenhang während der Werkstatt gegenüber dem vergleichsweise offenen Frankreich überraschend negativ auf:

Trotz einer großen Mediendichte, auch und vor allem im Bereich der schwullesbischen Medien, finden Homophobie und Hassgewalt seitens der Presse kaum Beachtung. „Dass sich gerade in den schwulen Szenen das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit angesichts der Vielzahl von konkreten Gewalterfahrungen breit macht, liegt auch an der Tatenlosigkeit der Presse“, konstatierte deshalb MANEO.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen wies in ihrem Grußwort hier auf einen wichtigen Zusammenhang hin. Gerade die „öffentliche Aufmerksamkeit“ ist wichtig für Menschen, die von Gewalt betroffen waren, denn: „Wer Opfer von Gewalt wird, darf durch Wegschauen und mangelnden Beistand nicht ein zweites Mal zum Opfer gemacht werden“. Besonders Opfer homophober Gewalt haben mit diesem Problem zu kämpfen.


Dunkelziffer weit höher als bislang angenommen

Dass hier etwas getan werden muss, zeigen neueste Zahlen, die MANEO präsentierte. Die Dunkelziffer nicht-angezeigter Straftaten zum Nachteil schwuler und bisexueller Jugendlicher und erwachsener Männer liegt mit 90 Prozent in Deutschland weit höher als bislang angenommen, so die erstmals der Öffentlichkeit vorgestellte MANEO- Studie, an der 24.000 Personen deutschlandweit teilgenommen hatten.

Dem Ziel, das Dunkelfeld zu reduzieren, pflichten Berlins Innensenator Dr. Ehrhart Körting und Polizeipräsident Dieter Glietsch bei. „MANEO verfolgt auch für die Dunkelfeldforschung wertvolle und damit präventive Ansätze“, so Körting in Bezug auf die erfolgreiche MANEO-Studie.

Es gälte „der vorurteilsmotivierten Gewalt zu begegnen und das entsprechende Dunkelfeld zu erhellen“, so Glietsch, weswegen die Berliner Polizei die MANEO- Toleranzkampagne, deren Bestandteil die MANEO-Werkstatt ist, nach Kräften unterstützen würde.


Bagatellisierung und Berührungsängste mit der Polizei prägen das Meldeverhalten der Opfer

Ein Problemkreislauf wird offenbar und problematisiert: Einerseits ist zu beklagen, dass antischwule Gewalt in all ihren Facetten in der Öffentlichkeit kaum wahr- genommen, oft sogar „bagatellisiert“ wird. Andererseits werden homophobe Übergriffe kaum gemeldet oder bekannt, geschweige denn bei der Polizei als Straftat angezeigt.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die die Arbeit von MANEO seit längerem aufmerksam verfolgt, ließ in ihrem Grußwort die Forderung verlautbaren, gegen Hasskriminalität „entschlossen“ vorzugehen – „mit Mitteln der Prävention aber auch mit repressiven Maßnahmen.“ Die Bekämpfung schwulenfeindlicher Gewalt dürfe sich daher „nicht auf die Prävention beschränken“, strafrechtliche Verfolgung müsse „rasch und konsequent“ erfolgen.

Dies wird jedoch erst möglich, wenn die zuständigen Behörden von den Taten wissen. „Dazu müssen wir Berührungsängste bei den Opfern abbauen und sie zur Anzeigeerstattung ermutigen,“ so Zypries.

Nur, die bereits wiederholt in der Öffentlichkeit geäußerten Erfahrungen von MANEO wurden einmal mehr auch auf der Werkstatt bestätigt: Die Betroffenen verschweigen oft den Hintergrund – oder dieser wird im Zuge der polizeilichen Ermittlungsarbeiten dann „entwertet“ oder nicht ernst genommen.

Kein Wunder also, dass infolge dessen Bedrohung, Beleidigung oder Körpergewalt von den Betroffenen nicht selten als ein „normales“ und zu erduldendes Übel angenommen wird, dessen strafrechtliche Verfolgung sich nicht lohnen würde – getreu der Devise, „das hätte auch jedem anderen passieren können“. Deshalb gilt es eben, verstärkt auf die Sensibilisierung aller Betroffenen hinzuwirken.



Mit vereinten Kräften: Stärkung des deutsch-französisch-polnischen Netzwerks

Diesen Zielen wollen die drei Projekte MANEO, SOS-Homophobie aus Frankreich und Lambda Warschau näher kommen. Durch regelmäßige Treffen der drei Projekte, so der einstimmige Beschluss derer Projektleiter Bastian Finke, Jacques Lizé und Krzysztof Kliszczynski, soll der Austausch der Erfahrungen aus der Anti-Gewalt-Arbeit der Partnerländer des „schwulen Weimarer Dreiecks“ hinsichtlich Effizienz und „best practice“ sowie das Networking gefördert werden.

Ziel ist auch der Austausch von Erfahrungen und die Verbesserung gewaltpräventiver Ansätze mit den Polizeien, deren Arbeit die Projekte mit ihrem Know-How als Think-Tank unterstützen können.


Wiederholung der MANEO-Umfrage 2008

Um das wissenschaftliche Fundament dieser Arbeit zu stärken, soll die MANEO- Umfrage 2008 wiederholt werden. Ziel ist es, die empirische Untersuchung zu Gewalterfahrungen von schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Männern mittel- fristig in einen europäischen Kontext einbetten zu können. Dagmar Roth-Behrendt, Vizepräsidentin des Europaparlaments, begrüßte in ihren Grußwort das Vorhaben des länderübergreifenden Erhellens des Dunkelfeldes und versicherte den Tagungs- teilnehmenden: „Sie können sicher sein: Das Europäische Parlament wird mit Ihnen gemeinsam für eine Europäische Union ohne Homophobie kämpfen.“


Länderarbeit im Blick der EU

Auch wenn in Frankreich und Deutschland bereits Hürden genommen wurden, der Kampf ist in Europa noch lange nicht gewonnen, wie auch das Beispiel Polen zeigt: Die restriktive Haltung der polnischen Behörden erschwerten es vielen Interessierten, insbesondere Vertretern der polnischen Polizei, an der MANEO-Werkstatt teilzunehmen. Einigen machte sie es gar gänzlich unmöglich. Lambda-Warschau wurde daher angeboten, eine Einladung an Vertreter von Polizeien aus Deutschland und Frankreich nach Polen zu unterstützen, um dort die Kooperationsmöglichkeiten zu thematisieren und zu verbessern.

Dass ein solches Vorhaben auch Unterstützung auf europäischer Ebene finden wird, belegen deutliche Worte, die Roth-Behrendt an die Adresse der polnischen Regierung richtete. Sie kritisierte harsch die gegen die europäischen Antidiskriminierungs- richtlinien verstoßenden Gesetzesvorhaben und wies darauf hin, „dass Polens Beitritt zur Europäischen Union nicht möglich gewesen wäre, wenn es vor der letzten Erweiterung der Union im Jahr 2004 zu diesen nicht hinnehmbaren Ereignissen gekommen wäre.“ Die „Äußerungen einiger polnischer Regierungsvertreter“ würden „gegen die demokratischen Grundsätze der Europäischen Union verstoßen“, so Roth-Behrendt weiter.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, die sich ebenfalls der Haltung der derzeitige polnischen Regierung widmete, sekundierte in ihrem Grußwort treffend: „Wer sich mit Worten einübt in Ausgrenzung und Diskriminierung, für den rücken auch gewaltsame Taten in den Blick.“


Nachhaltige Antidiskriminierungsarbeit und Gewaltprävention nur als gesamt- gesellschaftliche Aufgabe umsetzbar

Effektive Antidiskriminierungsarbeit wie auch Gewaltprävention stellen eine „gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar, der sich zu stellen ausnahmslos alle Verantwortlichen aufgefordert sind“, betonte Bastian Finke auf der MANEO-Werkstatt. Hassgewalt bedroht den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft. Eine ‚Viktimisierungsrate’ von 35% in den letzten 12 Monaten, außerdem 90% nicht-angezeigte, d.h. nicht geahndete Taten offenbaren nicht nur ein Gefahrenpotential für den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft, sondern vermitteln auch einen Eindruck von den immensen Kosten für die Allgemeinheit, die aufgrund vielfach notwendig werdender medizinischer oder psychosozialer Nachsorge für die Betroffenen entstehen.

Die Bemühungen von MANEO, vor allem Betroffene in ihrem Schicksal nicht alleine zu lassen, sich ebenso für effektive Gewaltprävention und den „Abbau von Vorurteilen“ einzusetzen, finden klare Worte der Unterstützung durch die Bundesfamilienministerin von der Leyen: „Bitte lassen Sie in Ihrem Engagement nicht nach!“

Aus dem Auswärtigen Amt kommen ähnlich deutliche Worte: „Die Bundesregierung schätzt diese wertvolle Arbeit“, so Günter Nooke, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, gegenüber MANEO. „Der Einsatz gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung ist ein wichtiger Punkt der deutschen und EU-Menschenrechtspolitik“, so Nooke.


„Worten müssen nun Taten folgen“ – MANEO fordert Konsequenzen ein

MANEO appelliert an diese breite politische Unterstützung und fordert Konsequenzen ein: Der Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt kann nicht nur von einzelnen, überwiegend ehrenamtlich organisierten Initiativen ausgefochten werden, sondern muss auf sämtlichen Ebenen der Gesellschaft stattfinden. MANEO appelliert mit Nachdruck an die Politik der Bundesländer, sich der Verantwortung zu stellen. „Worten müssen nun Taten folgen“, so Bastian Finke gegenüber der Presse.

Dass dies möglich ist, beweist die gute Zusammenarbeit zwischen MANEO und der Polizei in Berlin, die einen offiziellen Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in ihrer Behörde eingerichtet hat. Anders als in Berlin sind in keinem anderen Bundesland Ansprechpartner von den zuständigen Polizeipräsidien mit festen Stellen eingerichtet worden. „Das Bewusstsein ist dort noch gar nicht richtig angekommen, dass mit einer solchen Stelle viel harte Arbeit bevorsteht.

In einigen Präsidien ist man tatsächlich der Meinung, man könne einen solchen Job nebenbei machen. Es reicht jedoch nicht aus, eine Telefonnummer einzurichten und dann abzuwarten, dass jemand anruft. Die Polizei ist hier aufgefordert, auf den Bürger zuzugehen und Vertrauen herzustellen“, so Bastian Finke.

MANEO fordert, dass in jedem Bundesland die zuständigen Polizeipräsidien offizielle Ansprechpartner benennen, und dass entsprechend auch die zuständigen Sozial- und Innenministerien Anti-Gewalt-Projekte angemessen fördern, um einen Brückenschlag zu ermöglichen.

Mit dieser Basis wird Vertrauen geschaffen – eine Arbeit, die nur langfristig ausgerichtet Erfolge in der Präventionsarbeit verspricht. Erstrebenswert, so die MANEO-Werkstatt diesbezüglich im Ergebnis, sei außerdem ein nachhaltig über die einzelnen Bundesländer hinaus etabliertes Netzwerk von Landesbeauftragten der Polizeien und Anti-Gewalt-Projekten, die sich austauschen und ihre Aufklärungs- und Präventionsarbeit intensivieren können.

Anerkennend würdigte Finke die zahlreichen anwesenden Polizeivertreter, die vielfach bemüht sind, nebenbei oder ehrenamtlich eine solche Funktion in ihrer Behörde auszuüben – oft auch ohne Rückhalt. Das Fehlen des Top-down-Prinzips ist, so Finke, exemplarisch für die Aufklärungsarbeit insgesamt. Es mache darüber hinaus ein strukturelles Problem deutlich: „Wie soll das große Misstrauen, das seitens von homophober Gewalt Betroffener gegenüber der Polizei offenkundig besteht, angegangen werden, wenn nicht auch die Polizei sich von institutioneller Seite her bewegt?“


Handlungsbedarf erkannt, breite Zustimmung für Fortsetzung des Dialogs

Die breite Zustimmung der Teilnehmenden der zweiten MANEO-Werkstatt signalisiert die Bereitschaft, die offenkundig gewordenen Probleme und Missstände anzugehen und den Gesprächsfaden bis zur nächsten MANEO-Werkstatt im Mai 2008 nicht abreißen zu lassen.


Siehe auch: www.tag-gegen-homophobie.de

Dort zusätzlich u.a. das Expose und die Grußworte online von:

Klaus Wowereit, Regierenden Bürgermeisters von Berlin

Dr. Ehrhart Körting, Senator für Inneres und Sport

Dieter Glietsch, Polizeipräsident von Berlin

Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Günter Nooke, Auswärtiges Amt

Dr. Lala Akgün, MdB, Stellvertretende Europapolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

Jean-Luc Romero,Mitglied des Regionalrates Ile-de-France (RPR)

Martine Roure,Mitglied des Europäischen Parlaments (PS) Frankreich

Claudia Roth (MdB), Bundesvorsitzende Bündnis 90/ Die Grünen

Mechthild Rawert (MdB),SPD, Mitglied im Ausschuß für Gesundheit

Dr. Klaus Lederer,Landesvorsitzender, Die Linkspartei.PDS Berlin

Thomas Birk (MdA),Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin

Dagmar Ziegler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg

Sebastian Edathy (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzender des Innenausschusses

Dagmar Roth-Behrendt (SPD), Europäisches Parlament

Ekkehard Band, Bezirksbürgermeisters von Tempelhof-Schöneberg

Dr. Heidi Knake-Werner, Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales

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Foto © MANEO…

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Foto © MANEO. Dr. Bodo Lippl (Humboldt-Universität) und Bastian Finke (MANEO-Projektleiter) diskutieren auf dem Podium die ersten Ergebnisse der Umfrage.…

Foto © MANEO. Dr. Bodo Lippl (Humboldt-Universität) und Bastian Finke (MANEO-Projektleiter) diskutieren auf dem Podium die ersten Ergebnisse der Umfrage.

Foto © MANEO. Das Bündnis zwischen den Vorsitzenden steht (v.l.n.r.): Jacques Lizé (SOS-Homophobie), Krzysztof Kliszczynski (Lambda-Warschau) Bastian Finke (MANEO).…

Foto © MANEO. Das Bündnis zwischen den Vorsitzenden steht (v.l.n.r.): Jacques Lizé (SOS-Homophobie), Krzysztof Kliszczynski (Lambda-Warschau) Bastian Finke (MANEO).

Foto © MANEO. Prof.D. Magdalena Sroda, ehem. Gleichstellungsbeauftragte der polnischen Regierung, unterstützt die MANEO-Werkstatt.…

Foto © MANEO. Prof.D. Magdalena Sroda, ehem. Gleichstellungsbeauftragte der polnischen Regierung, unterstützt die MANEO-Werkstatt.

Foto: © MANEO. Rachid Aziz, Mitarbeiter der französischen Antidiskriminierungsstelle, berichtet über das Engagement der Regierung im Kampf gegen Diskriminierung und für Gleichstellung.…

Foto: © MANEO. Rachid Aziz, Mitarbeiter der französischen Antidiskriminierungsstelle, berichtet über das Engagement der Regierung im Kampf gegen Diskriminierung und für Gleichstellung.

Foto © MANEO. Mitglieder der französischen Organisation SOS-Homophobie, der polnischen Organisation Lambda und MANEO-Mitarbeiter werden sich auch 2008 wieder in Berlin treffen.…

Foto © MANEO. Mitglieder der französischen Organisation SOS-Homophobie, der polnischen Organisation Lambda und MANEO-Mitarbeiter werden sich auch 2008 wieder in Berlin treffen.

Foto © MANEO. Uwe Löher (r.), Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Gespräch mit taz-Redakteur Martin Reichert (l.).…

Foto © MANEO. Uwe Löher (r.), Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Gespräch mit taz-Redakteur Martin Reichert (l.).

Foto © MANEO. Mitarbeiter der MANEO-Vorbereitungsgruppe sind nach dem erfolgreichen Ablaufder MANEO-Werkstatt 2 zufrieden (v.l.n.r.): Alexis Adalla,Pascal Thibaut, Jurek Szczesny.…

Foto © MANEO. Mitarbeiter der MANEO-Vorbereitungsgruppe sind nach dem erfolgreichen Ablaufder MANEO-Werkstatt 2 zufrieden (v.l.n.r.): Alexis Adalla,Pascal Thibaut, Jurek Szczesny.

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