MANEO-SOIRÈE: Warum schlagen wir nicht zurück?“Was tun jenseits unserer Szeneviertel und no-gay-areas?

Berlin, den 06.06.2007

Beleidigungen, Drohungen oder auch ein Schlag ins Gesicht: Schwule sind weit öfters mit Gewalt konfrontiert als bisher vermutet. Dies zeigen jüngste Auswertungsergeb- nisse der MANEO-Umfrage, an der etwa 24.000 Personen aus ganz Deutschland teilgenommen haben. Mehr als jeder Dritte gab an, in den letzten zwölf Monaten mit antihomosexueller Gewalt konfrontiert gewesen zu sein.

Gewalterfahrungen bleiben nicht ohne Folgen. Angst, Unsicherheit oder Ohnmacht sind nur einige Symptome, mit denen Betroffene reagieren. Manche reagieren jedoch mit Wut, gar mit Forderung noch Selbstbewaffnung und der Zurückeroberung sogenannter "No-Gay-Areas".

Mit:
Olaf Alp, Herausgeber der Sergej-Berlin,
Bastian Finke, MANEO-Projektleiter, und
Gilles Duhem, ehem. Quartiersmanager im Rollbergkiez Neukölln.

Moderation, Jan Feddersen, taz.





Montag, den 18. Juni 2007
um 20:00 Uhr

Mann-O-Meter - Berlins schwules Info- und Beratungszentrum
Bülowstraße 106 (direkt am U-Bhf. Nollendorfplatz) M19, 106, 187


Präsentiert von taz,die tageszeitung

Gefördert von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB)

Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von: 
MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt von Mann-O-Meter e.V.…

Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von: MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt von Mann-O-Meter e.V.

MANEO-Soirée: Hetero als Norm - Oder: Warum hat Homosexualität keinen Raum in Schulbüchern

Die Rahmenlehrpläne des Berliner Senats verweisen auf gleichgeschlechtliche Lebensweisen und sexuelle Identität als Querschnittsthemen in nahezu allen Fächern. Doch das scheint mit der schulischen Wirklichkeit nicht viel gemein zu haben. Denn in den Schulbüchern wird Gleichgeschlechtlichkeit als gleichberechtigte Lebensweisen nur unzureichend erwähnt, obgleich doch Schwule und Lesben Anspruch darauf haben, dass auch ihre sexuelle Orientierung Anerkennung findet – zumal es pädagogische Pflicht ist, besondere Obacht auf Minderheiten zu legen.

Im Gegenteil: Lehrer und Lehrerinnen werden für den Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die nach sexueller Identität und Orientierung suchen und Akzeptanz und Anerkennung brauchen, kaum vorbereitet. Schulbuchverlage tun sich schwer, schwule und lesbische Themen thematisch aufzugreifen – nicht zuletzt auf Druck von Schulbehörden.

Was müsste hier getan werden, damit Gleichberechtigung für Schwule und Lesben sich auch in Schulbüchern wiederfindet? Welche grundsätzlichen Veränderungen in der Weiterbildung von Lehrenden müssen getroffen werden, damit Homosexualität auch im Klassenzimmer seinen Platz finden darf? Wie kann verhindert, dass die Schule zum Tatort für Homophobie wird?

Ein Gespräch mit Schülern, Jugendlichen und Angehörigen. Moderation: Jan Feddersen, TAZ


Montag, den 21. Mai 2007
um 20:00 Uhr

Mann-O-Meter - Berlins schwules Info- und Beratungszentrum
Bülowstraße 106 (direkt am U-Bhf. Nollendorfplatz) Bus M19, 106, 187

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MANEO FILM-SOIRÉE – 16. Mai 2007

„Paragraph 175“

Preisgekrönter Film von Rob Epstein und Jeffrey Friedman (USA 1999, 81 Minuten)

Aus der Ankündigung zum Film:

„...Die Verfolgung von Homosexuellen während der zeit des Dritten Reichs ist ein Kapitel deutscher Geschichte, das im Bewusstsein der Öffentlichkeit bisher kaum Widerhall gefunden hat. In der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Terrors wurde das Thema geflissentlich nicht beachtet und die Opfer hüteten sich lange, aus Angst vor Repressalien, an die Öffentlichkeit zu gehen. (...)

Fünf schwule Männer, alle weit über die 90er, waren bereit, über ihre Erlebnisse und traumatischen Erinnerungen zu berichten: Ausgehend von der leicht optischen Stimmung im Berlin der „Goldenen Zwanziger“, in der das ‚dritte Geschlecht’ in den ersten Homo-Kneipen nach Erfüllung suchte, münden die Erzählungen der Zeitzeugen in jener Zeit, als die Illegalität und die Verfolgung des Homosexuellen als Abartigen bittere Realität wurde. (...)


Montag, den 16. Mai 2007
um 20:00 Uhr

Mann-O-Meter - Berlins schwules Info- und Beratungszentrum
Bülowstraße 106 (direkt am U-Bhf. Nollendorfplatz) M19, 106, 187


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MANEO-Soirée: „Du schwule Sau!“ - Queer Kids: Coming-out in der Schule

Das „Coming-out“ gehört noch immer zu schwierigen Prozessen von Schwulen, auch von Lesben. Sie versuchen sich ihren Eltern und ihren Freunden mitzuteilen, um in ihren Fragen und Anliegen Unterstützung zu finden.

In diesem Orientierungsprozess sind sie leicht verletzbar und in unserer Mehrheitsgesellschaft mit Haltungen und Einstellungen konfrontiert, die ihnen einerseits einen Möglichkeitsraum eröffnet, sie andererseits aber auch all zu häufig ausgrenzt und diskriminiert.

In Schulen sind sie als Schüler in besonderer Weise leichte Opfer von Mobbing. Die Akzeptanz ihrer sexuellen Orientierung muss in Schulen das Ziel pädagogischer Aufklärungsarbeit sein. Doch wie soll das aussehen?

Ein Gespräch mit Schülern, Jugendlichen und Angehörigen.
Moderation: Jan Feddersen (taz)




Montag, den 26. Februar 2007
um 20:00 Uhr

Mann-O-Meter
Bülowstraße 106
(am U-Bhf. Nollendorfplatz), Bus M19, 106, 187

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Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von: 
MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt von Mann-O-Meter e.V.…

Die MANEO-Soirée ist eine Veranstaltungsreihe von: MANEO – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin –, ein Projekt von Mann-O-Meter e.V.

Bericht: MANEO-Soirée: Ein Mahnmal nur für Schwule?

Es diskutierten:
Günter Dworek, Bundesvorstand LSVD, Albert Eckert, Initiator des Mahnmals zum Andenken für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus, Maren Kroymann, Schauspielerin,
Andreas Pretzel, Historiker, Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft,Queer Nations, Mechthild Rawert, Mitglied des Deutschen Bundestages, SPD, Berlin, Claudia Schoppmann, Historikerin, Expertin in der Lesbenforschung zum Nationalsozialismus.


Die entscheidenden Figuren in dieser Debatte ließen sich nicht lange bitten – und kamen gern zur ersten MANEO-Soirée des Jahres 2007. Als Disput stand das Thema „Ein Mahnmal nur für Schwule?“ auf der Tagesordnung. Wie bekannt soll im Laufe dieses Jahr gegenüber vom Holocauststelenfeld eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus gegen Homosexuelle errichtet werden.

Der Streit entzündete sich, nachdem vor einem Jahr der prämierte Entwurf für das Mahnmal der Öffentlichkeit bekannt wurde: ein Quader, in dessen Mitte eine Öffnung sich befindet, die, schaut man durch sie hindurch, einen Videoclip mit zwei einander küssenden Männern birgt. Die lesbische Community, die sich jahrelang aus jeder Debatte um Lesbisches unter dem Hakenkreuz heraushielt, war empört: ein reines Männerdenkmal, das das Leiden von Lesben zwischen 1933 und 1945 ignoriere, manche sprachen sogar von Verfolgung.

Albert Eckert vom Initiativkreis für ein Mahnmal wie Günter Dworek, der an diesem Abend für den LSVD eingeladen war, teilten dem über 100köpfigen Publikum mit, es sei ein Kompromiss, mehr noch: eine ästhetische Erweiterung von den beiden Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset entwickelt worden. Künftig, was als Zeichen der Annährung zu den Kritikern und Kritikerinnen gewertet werden solle, werde der Videoclip alle zwei Jahre ausgetauscht.

Die Debatte schien mit diesen Statements nur oberflächlich befriedet. Tatsächlich hielt der Zwist bis zum Ende der Soirée – und wohl über sie hinaus – an. Claudia Schoppmann, Historikerin, Maren Kroymann, Schauspielerin wie Mechthild Rawert, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Berlin, teilten unisono mit, dass sie mit dem „Kompromiss“ weder einverstanden noch halbglücklich seinen. Schoppmann wies darauf hin, dass kein Mahnmal jemals historisch korrekt etwas abbilde – und das Lesbische fehle eben. Was Kroymann bekräftigte: Wie die Nationalsozialisten brächte auch dieses Mahnmal homosexuelle Frauen unter der Hand zum Verschwinden.

Klaus Lederer von der mitregierenden Linkspartei in Berlin, war mit der Kritik der Frauen einverstanden und schlug vor, wenigstens auf der Schrifttafel zum Mahnmal das alle queeren Menschen einende hervorzuheben: Dass Schwule zwar mörderisch verfolgt wurden, Lesben sich lediglich zu maskieren brauchten, aber beide, alle von der Fortpflanzungsmoral des NS-Regimes abweichenden Menschen den Verlust der demokratischen Möglichkeiten zu beklagen hätten. Und dieser Verlust sei mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ende Januar 1933 besiegelt worden.

Andreas Pretzel, Historiker, plädierte hingegen für Klarheit. In der Homosexuellenforschung habe man mit vielen Märchen und Missverständnissen aufräumen müssen. Dass die NS-Bewegung eine heimlich homosexuelle gewesen sei; dass es einen Homocaust gegeben habe und schließlich dass auch Lesben mörderisch verfolgt worden seien.

Nichts davon sei richtig – ein Mahnmal aber habe das Konkrete zu berücksichtigen, zugleich aber das aktuell Bedürftige, und in dieser Hinsicht gab nicht nur er allein zu bedenken, das Lesbische nicht unter den Tisch fallen zu lassen.

Das Publikum – erstmals mit einem beinah 50prozentigen Anteil von Lesben präsent – nahm rege und engagiert an dieser für die Community empfindsam wichtigen Debatte teil. Auf Fragen an Dworek wie Eckert, wie denn sichergestellt werde, dass wirklich die Clips alle zwei Jahre ausgetauscht werden, erhielt es keine Antwort.

Am Ende befürworteten viele, das gesamte Verfahren gänzlich neu aufzurollen – andere, selbst Kritiker des jetzigen, vertraglich bereits zugesicherten Entwurfs, meinten, den Prozess auf den Nullpunkt zu bringen, um ihn besser zu gestalten, scheitere womöglich an den ideologischen wie politischen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag.

Einig war sich das Auditorium wie das Gros des Podiums, dass die Debatte nützlich ist – und sie es bleiben möge. Die MANEO-Soirée hat sich mit diesem hitzigen Disput einmal mehr als wichtigsten Bürgerrechtsforum von Schwulen (wie Lesben) in Berlin profilieren können: Ein Mosaikstein in einem Bewusstsein, dass politische wie gesellschaftliche Aufklärung für die beste Zutat eines gesunden Lifestyles begreift.


Siehe auch:
www.maneo.de/Mahnmal.pdf

www.queer.de/Kein Kompromiss im Denkmalstreit

www.berlin.lsvd.de/Resolution - Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen


MANEO-Soirée am 11.01.2007:

(v.l.n.r.) Bastian Finke, Andreas Prezel, Mechthild Rawert, Jan Feddersen, Maren Kroymann, Albert Eckert, Claudia Schoppmann, Günter Dworek, Klaus Lederer. Foto © Burghard Manghöfer…

(v.l.n.r.) Bastian Finke, Andreas Prezel, Mechthild Rawert, Jan Feddersen, Maren Kroymann, Albert Eckert, Claudia Schoppmann, Günter Dworek, Klaus Lederer. Foto © Burghard Manghöfer

(v.l.n.r.) Maren Kroymann und Günter Dworek. Foto © Burghard Manghöfer…

(v.l.n.r.) Maren Kroymann und Günter Dworek. Foto © Burghard Manghöfer

(v.l.n.r.) Jan Feddersen, Mechthild Rawert, Claudia Schoppmann, Albert Eckert, Klaus Lederer. Foto © Burghard Manghöfer…

(v.l.n.r.) Jan Feddersen, Mechthild Rawert, Claudia Schoppmann, Albert Eckert, Klaus Lederer. Foto © Burghard Manghöfer

(v.l.n.r.) Andreas Prezel, Maren Kroymann. Foto © Burghard Manghöfer.…

(v.l.n.r.) Andreas Prezel, Maren Kroymann. Foto © Burghard Manghöfer.

Bericht: MANEO-Soirée: "Schwule Männer in den Heteromedien – Partymäuse ohne Sinn und Verstand?"

Mit Bernd Ulrich, Stellvertretender Chefredakteur der "Zeit" im Gespräch
am 11.12.2006, 20:00 Uhr

Vor einem Jahr hatte er bereits kommen wollen zur MANEO-Soirée: Bernd Ulrich, Autor und Redakteur des Berliner „Tagesspiegel“ und nunmehr Stellvertretender Chefredakteur der „Zeit“ in Hamburg:

Damals erregten Kommentare von ihm Unmut. In verschiedenen Kommentaren hatte er den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit hart dafür kritisiert, dass er dem Fetischistenfestival Folsom eine Grußadresse ins Programm schrieb. Ulrich hielt dies für verantwortungslos – denn damit werde Gewalt verherrlich, was ein Regierender Bürgermeister auch deswegen nicht dürfe, weil in seiner Stadt Gewalt alltäglich sei, beispielsweise in puncto Ehrenmorde.

Ulrich stellte sich nun den Fragen: War das nicht homophob, was er schrieb? Hatte er nicht das Klischee befördert, dass Homosexuelle wie Wowereit vor allem an sich dächten und außerdem als politischer Verantwortungsträger falsche Signale gesetzt?

Ulrich verneinte dies vor einem interessierten Publikum und wies darauf hin, dass er frei sei, seine Meinung zu äußern. Und zur Kritik am Grußwort des Folsomfestivals halte er fest. Gegen Homosexuelles habe er gar nichts – Fragen dazu würden in seiner Redaktion so vorurteilsfrei erörtert wie andere Fragen auch.

Als Bilanz ließ sich schließlich heraushören, dass Ulrich, ein bekennender Liberaler und Befürworter der Trennung von Religion und Staat, trotzdem katholisch, seine Freisinnigkeit im Grunde blind für die Probleme definiere: Weil er und seinesgleichen kein Probleme mit Minderheitsfragen und -anliegen haben, machten sie sie auch nicht mehr zum Gegenstand ihrer Publizistik. Verkannt würde dadurch, dass diese Probleme – Gewalt gegen Schwule, ein heterosexistischer Sexualkundeunterricht und so weiter – ja weiter fortbestünden.

Ulrich, der bekannte, seinen Kommentar gegen Wowereit aus einer spontanen Laune heraus geschrieben zu haben, wurde am Ende gefragt, wann dann sein Kommentar zur HipHop-Musik komme: Gerade diese sei frauenverachtend, homophob und gewaltverherrlichend. Ulrich meinte, er habe von dieser Musik keine rechte Ahnung. Das Publikum applaudierte ihm deshalb:Dann hätte er doch auch keinen Kommentar gegen Folsom und den Bürgermeister schreiben dürfen, denn die Gewalt, von der er in deren Zusammenhängen spekulierte, sei ja keine in Relation zur Homophobie, denen sich Schwule ausgesetzt wissen können.
Ulrich versprach, in einem Jahr wieder Gast einer Soirée sein zu wollen: Man wird dann überprüfen, ob sie an der Praxis der journalistischen Aufbereitung zum Thema Homosexualität etwas an dem blinden Fleck der Nichtzurkenntnisnahme etwas geändert hat.


Nach der MANEO-Soirée am 11.12.2006:

Nach der MANEO-Soiree (v.l.n.r.): Jan Feddersen, Bernd Ulrich, Bastian Finke. © Foto by MANEO.…

Nach der MANEO-Soiree (v.l.n.r.): Jan Feddersen, Bernd Ulrich, Bastian Finke. © Foto by MANEO.

MANEO-Soirée: „Schwule Männer in den Heteromedien“ Partymäuse ohne Sinn und Verstand

Im Gespräch mit Bernd Ulrich, Stellvertretender Chefredakteur der "Zeit".

Der Regierende Bürgermeister gilt seiner Politik zum Trotz als Partymeister der Stadt - kein Länderchef hat in den klassischen Medien eine solche Presse. Liegt dies etwa auch an seiner offen bekundeten Homosexualität? Oder wird die Kritik zur Sache nur verbrämt mit Hinweisen auf seine gute Laune?

Schwule jedenfalls finden in den Heteromedien nicht als politische oder gesellschaftliche Akteure statt, nicht als Opfer von Gewalt und Träger von Emanzipationsprozessen, sondern als CSD-wütige Partymäuse, die obendrein die demographische Not der Nation nicht zur Kenntnis nehmen.

Homosexuelle sind die anderen, die keine Ansprüche jenseits des Kulturellen haben. Bernd Ulrich, einst "Tagesspiegel"-Redakteur und inzwischen stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", hat eine Fülle von Texten über Wowereit, über Homosexuelles in der Stadtpolitik und zur Familienpolitik geschrieben. Er gibt Auskunft über die entscheidende Frage: Warum läuft bei schwulen Männern insbesondere und bei Homosexuellen im Allgemeinen in den Medien alles stets auf Feierlaune heraus?

Die MANEO-Soireé wird moderiert von Jan Feddersen (taz).


Montag, den 11. Dezember 2006
um 20:00 Uhr

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Bericht: MANEO-Soirée: „Alles nur Panikmache?“

Mit Dr. Keikawus Arasteh, Direktor der Klinik für Innere Medizin am Auguste-Viktoria-Krankenhaus, und Bodo Niendl von „HIV im Dialog“

BERICHT:
"Panikmache?" lautete die Überschrift, mit der die Maneo Soirée kurz vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember lud. Zu Gast waren Privatdozent Dr. Keikawus Arasteh, Direktor der Klinik für Innere Medizin am Auguste-Viktoria-Krankenhaus, sowie Bodo Niendel von HIV im Dialog.

Zur Panikmache, teilte beide einig mit, bestünde kein Anlass. Nach den neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts haben sich im Jahre 2006 nach jetziger Zählung mehr Menschen als im Jahr zuvor mit der Immunschwächekrankheit infiziert - aber gemessen an den Infektionszahlen, die aus Osteuropa, aus Thailand oder Afrika gemeldet werden, so Niendel, seien die deutschen Infektionszahlen extrem gering. Mehr noch: ein Erfolg der Präventionsarbeit.

Arasteh berichtete von den verheerenden Folgen, die es habe, würde, wie aktuell der Fall, die Präventionsarbeit in der schwulen Community weitgehend durch finanzielle Einsparungen, zum Erliegen bringe. Der Hinweis, jüngere Schwule könnten von älteren Schwulen lernen, welche Risiken zu meiden seien, fruchte nicht: Jugendliche lassen sich von Älteren – wie in einem klassischen Eltern-Kind-Verhältnis – nicht gern die sexuellen Regeln des Lebens nahebringen.

Der Direktor der Inneren Abteilung, die auch für Aids zuständig ist, des Augste-Viktoria-Krankenhauses, forderte vehement, die Präventionsmittel nicht weiter zu kürzen, sie vielmehr zu aufzustocken. Obendrein beklagte er den fehlenden Willen der Politik, anders wie in Australien, sich um das epidemische Aidsdesaster in Osteuropa zu kümmern: So sehr in Nachbarschaft wie Polen - und trotzdem interessiere sich die Politik nicht für deren gruselige Aidspolitik, die darauf setzt, dass die Betroffenen sich selbst zum Aussterben bringen würden.

Diese Soirée brachte auch dem Publikum die Erkenntnis, dass zur Barebackingfurcht nur geringer Anlass besteht, mehr aber zur Angst, dass Aids aus dem Wahrnehmungsraster der Politik fallen könnte.


Nach der MANEO-Soirée am 27.11.2006

Nach der MANEO-Soiree (v.l.n.r.): Jan Feddersen, Dr. Keikawus Arasteh, Bodo Niendl, Bastian Finke. © Foto by MANEO.…

Nach der MANEO-Soiree (v.l.n.r.): Jan Feddersen, Dr. Keikawus Arasteh, Bodo Niendl, Bastian Finke. © Foto by MANEO.

Bericht: MANEO-Soirée: „Die im Dunkeln sieht man nicht...“

Eingeladen waren: Dr. Franz Schulz, Stadtrat für Stadtentwicklung und Bauen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, Uwe Löher, Kriminalhauptkommissar, Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, LKA 143, Bastian Finke, Dipl. Soziologe, MANEO-Pojektleiter

Ein heikles Thema war Gegenstand der Novembersoirée von Maneo: „Die im Dunkeln sieht man nicht ...“ – über Männer in Parks, zur verschwiegenen Gewalt Homophober gegen Schwule, die beim Outside Cruising Sex suchen.

Der Tiergarten wie auch der Volkspark Friedrichshain sind nachts traditionelle Orte schwuler Kontaktaufnahme. Die Frage war: Werden homosexuelle Männer von der Polizei geschützt – oder wie einst verfolgt, um Rosa Liste zu füllen; sind Schwule an jenen Orten überhaupt empfänglich für bürgernahe Aufklärung?

Franz Schulz, Baustadtrat von Friedrichshain/Kreuzberg (Grüne), erklärte, dass Bürger sich am Rande des Volksparks Friedrichshain über Sex bei Tageslicht durch Schwule beschwert hätten – eine bürgernahe Quartiersmoderation habe aber zu Verständigungen geführt. Die größten Schmutzlasser seien ohnehin nicht die Schwulen, sondern meist Jugendliche, die diesen Park als Freizeittreff nehmen und häufiger als den Einwohnern lieb ist lärmen.

Uwe Löhr, Kontaktbereichsbeamter der Polizei für Schwule, häufig selbst in seinem Dienstfahrzeug in Parks unterwegs für Prävention, wusste zu erläutern, dass man sehr häufig nicht erwünscht sei in den Grünanlagen, womöglich, weil die meisten Parkcruiser unerkannt bleiben möchten. Bastian Finke ergänzte, dass Parks keine besonderen Gefahrenquellen für Schwule mehr seien – aber er vermutet eine Dunkelziffer von nichtangezeigten Taten.

Das Publikum, engagiert an der Diskussion teilnehmend, bejahte unisono die Frage, ob der Park als Ort schwulen Cruisings noch zeitgemäß sei. Insgesamt wünschte man eine nähere Untersuchung der Parkbesucher – woher kommen sie, aus welchen Milieus stammen sie, was hindert sie daran, offen schwul zu leben. Eine Expertise, die, das legt der Gegenstand der Untersuchung nahe, nicht zu erbringen sein wird: Die im Dunkeln, die wollen auch nicht gesehen werden.


Nach der MANEO-Soirée am 30.10.2006

(v.l.n.r.): Uwe Löher, Jan Feddersen, Dr. Franz Schulz, Bastian Finke. © Foto by MANEO.…

(v.l.n.r.): Uwe Löher, Jan Feddersen, Dr. Franz Schulz, Bastian Finke. © Foto by MANEO.

MANEO-Soirée : „Die im Dunkeln sieht man nicht ...“

Berlin, den 17.10.2006

Männer in Parks oder: Die verschwiegene Gewalt Homophober gegen Schwule, die beim Outside Cruising Sex suchen.Der Tiergarten wie auch der Volkspark Friedrichshain sind nachts traditionelle Orte schwuler Kontaktaufnahme.

Moralisch stehen Männer, die dort Sex suchen, im Ruf, es wohl nötig zu haben: Und genau das macht sie zu willigen Opfern von Gewalttätern, die sie dort überfallen und ausrauben.

Immerhin können Opfer von Gewalt sich der Polizei offenbaren und müssen nicht damit rechnen, dass man die Gewalt gegen sie für berechtigt hält – gar ihre Daten für Rosa Listen nutzt. Darüber hinaus cruisen Polizeiautos durch die Parks, um Gewalttäter abzuschrecken.

Trotzdem fehlt es an einem Alarmsystem für die Betroffenen – und an Aufmerksamkeit durch die Polizei. Andere hingegen sagen, wer sich in Gefahr begebe, soll sich nicht wundern, kommt er darin um.
Wie stehen wir heute zu diesen schwulen Orten?
Welchen Schutz müssen und sollen wir erwarten?

Es diskutieren:
Dr. Franz Schulz(Stadtrat für Stadtentwicklung und Bauen Friedrichshain- Kreuzberg),
Uwe Löher (Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen) und
Bastian Finke (MANEO-Projektleiter).

Die MANEO-Soireé wird moderiert von Jan Feddersen (taz).


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Montag, den 30. Oktober 2006
um 20:00 Uhr

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Bericht : MANEO-Soirée: „Verraten und Verlauft.“

Necla Kelek, Sozialwissenschaftlerin und Publizistin, sagte zum Auftakt der Oktobersoirée von MANEO am 09.10.06, es sei ihr eine Ehre, im schwulen Zusammenhang berichten zu dürfen.

Die Autorin, prominent zuletzt durch ihre Mitgliedschaft in der Deutschen Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums, sprach zum Thema „Verraten und verkauft“ - muslimische Viertel in der Stadt, über No-Go-Areas und die Tragödien schwuler Migranten, die in ihren Familien alles sein dürfen, bloß nicht homosexuell. Das sei, so Kelek, schlimmer als eine Karriere als Drogendealer.

Ein in eine muslimische Familie hineingeborener Mann verkörpert in sich nicht nur sich selbst, sondern die Ehre, die Existenz seiner ganzen Großfamilie. Mehr noch: In der Bundesrepublik werde durch diese neuen Bürger, die sich in Parallelgesellschaften einkapselten, eine antidemokratische, antiindividuelle Gesellschaftlichkeit gefördert – und niemand kümmere sich darum. Für sie selbst sei es ein harter, aber lohnender Weg gewesen, sich aus den Linien der Herkunft zu befreien.

Das Publikum – kein MANEO-Talk war bislang besser besucht – verfolgte ihre Ausführungen mit starkem Interesse. Auf die Frage eines Mannes, ob sie die Lage wirklich so hoffnungslos sehe, antwortete Kelek, sie wolle nicht schwarzweißmalen, aber man müsse die Probleme, die lange genug beschwiegen wurden, eben genau in den Blick nehmen.

Wie man einen Fuß in die Tür hinein bekomme, fragte ein anderer. Kelek wusste es nicht – jede Prognose scheitere wahrscheinlich an der Wirklichkeit. Aber mit den Interessenverbänden der Migranten sei es schwierig, die würden die Probleme der Migration nur verwalten, ja, fast seien sie nicht dem Problem behilflich, sondern selbst Teil des Problems.

Schwulen Initiativen wie MANEO müsse der Rücken gestärkt werden – gerade auch seitens der Migrantenverbände. Sie allein seien in der Lage, Aufklärung zu leisten. Mit mächtigem Beifall wurde der Oktobergast in den Abend hinein verabschiedet: Allgemein wünschte man mit ihr im kommenden Jahr einen Fortsetzungsabend.





Nach der MANEO-Soirée am 9.10.2006

(v.l.n.r.): Jan Feddersen, Necla Kelek, Bastian Finke. © Foto by MANEO.…

(v.l.n.r.): Jan Feddersen, Necla Kelek, Bastian Finke. © Foto by MANEO.

MANEO-Soirée - „Verraten und Verkauft“ - Im Gespräch mit der Sozialwissenschaftlerin und Publizistin Necla Kelek

Berlin, den 12.09.2006

Neukölln und Wedding, gerade muslimische Quartiere erscheinen schwulen Männern als „No-Show-Areas“. Homophobe Sprüche muss sich gefallen lassen, wer sich als homosexuell zu erkennen gibt – „bist du schwul, Alter“ ist eine Floskel, die durchaus als bedrohlich wahrgenommen werden muss.

Doch woran liegt es, dass gerade unter Einwanderern (und ihren Söhnen) Vorurteile und Aggressionen gegen Schwule so ausgeprägt ist? Und warum thematisieren die Migrantenverbände dieses Thema nur schleppend?

Mit Schwulen ist man nicht solidarisch, sobald sie über Gewalt durch muslimisch geprägte Täter klagen – das erscheine doch verdächtig rassistisch. Schwule, auch Schwule migrantischer Herkunft, sind verraten und verkauft, durch die Szenen, die auf Menschenrechte und Solidarität halten, und durch ihre Herkunftsfamilien, die an der Seite ihrer Söhne Ehefrauen und Kinder sehen wollen, damit eine Bestätigung tradierter Werte und Rollen erhalten wollen. Woran das liegt, soll bei dieser Soirée erörtert werden.

Als Expertin zu Gast ist die Sozialwissenschaftlerin, Frauenrechtlerin und Publizistin Necla Kelek, die mit ihren Büchern „Die verlorenen Söhne“ und „Die fremde Braut“ hierzulande bekannt wurde.

Die MANEO-Soireé wird moderiert von Jan Feddersen (taz).


Montag, den 09. Oktober 2006
um 20:00 Uhr

Mann-O-Meter - Berlins schwules Info- und Beratungszentrum
Bülowstraße 106 (direkt am U-Bhf. Nollendorfplatz) Bus 19

Bericht: MANEO-Soirée: „Berlin –(K)ein homopolitisches Paradies?!“

Unter dem Titel: „Berlin –(K)ein homopolitisches Paradies?!“ fand am 4. September im Rathaus Schöneberg – unterstützt mit einer Schirmfrauschaft durch die Schöneberger Stadträtin Elisabeth Ziemer – eine Podiumsdiskussion über die politischen Profile der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien statt. Anlass sind die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 17. September.

Die erstaunlichste Tatsache des Abends war möglicherweise, dass auf dem Podium ausschließlich Parteienvertreter saßen, die sich in puncto Homopolitik auch auskennen – auf Befragen teilten Reinhard Naumann (SPD), Bezirksstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, Sascha Steuer (CDU), Mitglied des Abgeordnetenhauses, Marko Tesch (Die Linke.PDS), Mitglied des Landesvorstands seiner Partei, Thomas Birk (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Abgeordnetenhauses sowie Gumbert Salonek (FDP), Bezirksverordneter in Friedrichshain/Kreuzberg, mit, sie seien im übrigen selbst schwul. Der Trend scheint sich seit des Regierenden Bürgermeisters Selbstouting zu bestätigen: Klaus Wowereit hat es seiner Partei wie auch den anderen Parteien einsichtig wie leicht gemacht, homopolitisch auf Kompetenz zu setzen, nicht allein auf wohlfeile Statements.

Und in dieser Hinsicht waren sich die fünf Parteienvertreter einerseits einig, andererseits markierten sie Differenzen, die möglicherweise dem Auditorium, zu Gast waren 50 Männer und drei Frauen, geholfen hat, eine Wahlentscheidung auch in homopolitischer Hinsicht zu treffen. Einig waren sich alle, dass der Fachbereich für gleichgeschlechte Lebensweisen auf alle Fälle erhalten bleiben soll – allesamt hinzufügend, dass dies nun völlig unstrittig sei.

Im Hinblick auf die wachsenden Infektionszahlen bei Aids gelobten alle, die Präventionsmittel nicht kürzen zu wollen. Gleich waren auch die Statements in Hinsicht auf die Bildungspolitik: Aufklärung über Homosexualität müsse ebenso Bestandteil der Lehrerarbeit sein wie Schüler über Homophobie ins Bild gesetzt werden müssten. Uneinig war man sich allerdings, mit welchen Mitteln dies geschehen solle. Naumann (SPD) berichtete, Geld sei da – aber die Lehrer würden es abfordern. Dieser Punkt verdient, so war sich das Podium einig, vertieft zu werden – in der täglichen politischen Arbeit wie in den Parteien selbst, wo für dieses Thema vielfach überhaupt Aufmerksamkeit geschaffen werden muss.

Beim Antidiskriminierungsgesetz schieden sich die Geister. Salonek (FDP) lehnte die staatliche Lenkung von Aufklärungs- und Emanzipationsprozessen rundweg ab – alle anderen befürworteten das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), das jüngst vom Bundestag verabschiedet wurde. Birk (Grüne) wie Steuer (CDU) kritisierten, dass das Berliner Antidiskriminierungsgesetz flacher ausgefallen sei als erhofft. Naumann wie Tesch fanden es, als Mitglieder der Parteien, die dem Senat vorstehen, ausreichend.

Die Pointe des Abends selbst war eine insgeheime: Niemand bestritt, dass auch in Berlin noch an Liberalität und Schutz für Homosexuelle gearbeitet werden müsse – dass unsere Stadt paradiesischer sich ausnehme wie, beispielsweise, Warschau, Tallinn oder andere Metropolen in Osteuropa. Und: Der Kampf gegen Homophobie wird von allen Parteien geteilt – ausdrücklich.

In fünf Jahren wird die nächste Bilanz zu ziehen sein, darauf verständigten sich alle am Schluss.


Nach der MANEO-Soirée:

Nach der MANEO-Soiree (v.l.n.r.): Marko Tsch, Jan Feddersen, Reinhard Naumann, Thomas Birk, Sascha Steuer, Gumbert Salonek, Bastian Finke. © Foto by Harry Klein.…

Nach der MANEO-Soiree (v.l.n.r.): Marko Tsch, Jan Feddersen, Reinhard Naumann, Thomas Birk, Sascha Steuer, Gumbert Salonek, Bastian Finke. © Foto by Harry Klein.

MANEO-Soirée -"Berlin - (K)ein homopolitisches Paradies?!"

Berlin, den 21.08.2006

Die Hauptstadt ist Europas Lieblingsmetropole für Schwule und Lesben aus allen Ländern. Ein Regierender Bürgermeister an der Spitze, unter dessen Patronat Homophobie keine Chance zu haben scheint.

In Wirklichkeit muss über das Kleingedruckte des Alltags gesprochen werden: No-Go-Areas, in denen sich Homosexuelle lieber nicht zeigen sollten; ein Bildungsbereich, in der über Schwule und Lesben keine Aufklärung geboten wird - und eine Politik um Aids, die sich den wachsenden Ansteckungszahlen nicht gewachsen sieht. Fragen, die bei der September- veranstaltung der Maneo Soirée erörtert werden - mit SpitzenpolitikerInnen der im Landtag vertretenen Parteien.

Parteien aus dem Abgeordnetenhaus vor den Wahlen: Was wollen sie tun, um die Lage von Schwulen und Lesben in Berlin zu bessern? Fragen an SpitzenpolitikerInnen von SPD, CDU, Linkspartei, Bündnis 90/Die Grünen und FDP.
Es diskutieren:
Reinhard Naumann (SPD),
Bezirksstadtrat für Jugend, Familie, Schule und Sport im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf;

Marko Tesch (Die Linke.PDS),
Mitglied des Landesvorstandes der Linkspartei.PDS Berlin und Direktkandidat im Wahlkreis Köpenik;

Thomas Birk (Bündnis 90/ Die Grünen),

Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, Lesben- und Schwulenpolitischer Sprecher

Gumbert Salonek (FDP) Bezirksverordneter in Friedrichshain-Kreuzberg, Sprecher der Liberalen Schwulen und Lesben;

Sascha Steuer (CDU), Mitglied des Abgeordnetenhaus von Berlin

Die MANEO-Soireé wird moderiert von Jan Feddersen (taz).

Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Frau Dr. Elisabeth Ziemer, Stadträtin für Gesundheit, Stadtentwicklung und Quartiersmanagement des Bezirks Tempelhof-Schöneberg.


Montag, den 04. September 2006
um 20:00 Uhr

im Rathaus Schöneberg, Raum 1102

U-Bhf. Rathaus Schöneberg, Bus M 46, Bus 104.

Bericht: MANEO-Soirée : CSD - ein Ballermann der Homos?

Berlin, den 17.07.06

Seit Juni dieses Jahres veranstaltet MANEO mit seinen Soiréen wieder regelmäßige schwule Talkrunden. Am 12. Juni beschäftigte sich der Talk mit dem Thema „Fußball der Männer – Schwule unerwünscht?“. Am 17. Juli wurde das Thema „CSD – Ballermann der Homos?“ diskutiert. Moderator ist der taz-Journalist Jan Feddersen.

Unter diesem Titel trafen sich zur zweiten Maneo Soirée am Montag, 17. Juli, im Mann-O-Meter fünf Vertreter der Berliner GBLT-Bewegung – der Bewegung der Schwulen und Lesben. Mit von der Partie: Jan Salloch vom Berliner CSD e.V., Kirstin Fussan von den Schwusos, Alexander Zinn, Mitglied des LSVD, Tomasz Baczkowski vom Warschauer CSD sowie Bodo Niendl, Ex-Mitglied der Internetzeitschrift Etuxx und Mitarbeiter von Aidsprojekten.

Alle bestritten sie, dass der CSD kaum mehr als eine besondere Partyzone sei. Viel eher transportiere er den politischen wie kulturellen Anspruch auf Teilhabe an der gesellschaftlichen wie an Anerkennung überhaupt. Salloch verwies auf den CSD-Charakter des Politischen, der auch, aber nicht allein über den Zivilcouragepreis zum Ausdruck komme.

Kirstin Fussan fand, dass der Minimalkonsens der CSD-Gemeinde darauf setzen müsse, dass viele, sehr viele Menschen kommen und so signalisiert werde, wie wichtig wir seien. Baczkowski, Vorsitzender der „Stiftung für Gleichberechtigung“, die in diesem Jahr den Warschauer CSD organisiert hat, erkannte in den deutschen Problemen um den CSD Luxusprobleme.

In Warschau wäre man froh, könnte man so ausgelassen, unbehelligt von homophoben Öffentlichkeiten feiern. Ein Party-CSD sei gerade das Ziel. Niendl aus dem linken Spektrum der Beweis formulierte seinen Dissens, in dem er auf die all die Homosexuellen verwies, welche in Armut lebten und durch die Mittelklasseorientierung des klassischen CSD eingeschüchtert würden.

Zinn wiederum hielt dies für zwangsläufig: Politik ist immer eine Veranstaltung, bei der es auf einen Forderungskern ankomme – und nicht darauf, dass ein Teil der Bewegung Recht behalte. Ein Banker wie ein Hartz-IV-Empfänger seien auf der CSD-Demo gleich berechtigt.

Das Publikum wandte sich mit einer Fülle von Fragen an das Forum. Einer fand, die Bewegung müsse sich selbst thematisieren, beispielsweise auch mit der Frage, warum es Bare-backing gebe. Ein anderer wünschte zu erörtern, ob nicht hinter den Rhododendrenabholzungen der Gartenbauämter krasse Homophobien sich verbergen könnten.

Aus dem CSD-Organisationsspektrum wurde erläutert, woher das vermeintlich umstrittene Motto "Verschiedenheit und Recht und Freiheit" stamme – aus einer Diskussion, an der, so gewollt, sich alle beteiligen konnten. Die Frage des liberalen Patriotismus, die in diesem Motto zum Ausdruck komme, fand sich auf dieser Soiree erledigt: Baczkowski fand diesen schwarzrotgoldenen Patriotismus weder furchteinflößend noch ausgrenzend.

Bastian Finke vom Schwulen Überfalltelefon bedauerte, dass das Forum nicht die konkrete, keineswegs paradiesische Gewalt gegen Schwule eingegangen sei. Die Diskussion wurde mit der Ankündigung beendet, sich zur Parteiendiskussion am 4. September im Rathaus Schöneberg wiederzutreffen.


MANEO-Soirée: CSD - ein Ballermann der Homos?

Berlin, den 13.07.06

Wo sind nur die politischen Anliegen queerer Menschen geblieben?

Was bleibt bei einem CSD noch übrig von den berechtigten Forderungen homo- wie bisexueller oder transidenter Frauen und Männer?

In Osteuropa gibt es noch jeden Anlass zum Protest, zum Marsch für Bürgerrechte, von muslimisch geprägten Ländern zu schweigen. Doch sollte der CSD nicht zugunsten einer offiziellen Party mit Umzug aufgelöst werden?

Die Christopher-Street-Day-Parade - eine Mogelpackung?

Als Gäste sind eingeladen:

Kristin Fussan (Lesben und Schwule in der SPD - Schwusos)
Alexander Zinn (LSVD Berlin-Brandenburg e.V.)
Jan Salloch (Berliner CSD e.V.)
Bodo Niendel (Etuxx)
Tomasz Baszkowski (CSD Warschau)

Die MANEO-Soirée wird moderiert von Jan Feddersen (taz)


Montag, 17. Juli 2006
um 19:30 Uhr

Mann-O-Meter-Berlins schwules Info- und Beratungszentrum
Bülowstr. 106-10781 Berlin (direkt am Nollendorfplatz)


MANEO-Soirée: Fußball der Männer - Schwule unerwünscht?!

Berlin, den 17.05.2006

Mit: Herta-Junxx (Schwul-lesbischer Fanclub von Hertha BSC), Martin Reichert (Kulturwissenschaftler), u.a.

Fußball ist Männersache? Nicht so ganz. Heteromännersache. Schwule finden im letzten Reservat ungebrochener Männlichkeit nicht statt. Homosexuelle interessieren sich freilich ebenso für den Kick alls Kicks wie Heteros. Schwulenfeindliche Kommentare zu einem rosafarbenen Torwarttrikot, Schweigeabkommen in Frauenteams - und vorsichtshalber duscht man lieber "mit dem Arsch zur Wand":

Offen lebende Lesben und Schwule scheinen im Fußball nichts verloren zu haben. Und alles sorgt dafür, dass dies vorerst auch so bleibt. Die Fußball-WM - ein globales Fest der männlichen Heterosexualität? Der Sport und besonders der Fußball hat den Anschluss an gesellschaftliche Entwicklungen verpasst.


Der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenlos.
Um eine Spende wird jedoch gebeten.


Montag, 12. Juni 2006
um 20:00 Uhr

Mann-O-Meter - Berlins schwules Info- und Beratungszentrum
Bülowstraße 106 (direkt am Nollendorfplatz)



Link zur Homepage von Herta-Junxx (Schwul-lesbischer Fanclub von Hertha BSC)

MANEO-Film-Soiree präsentiert AU-DELÀ DE LA HAINE (Jenseits des Hasses)

Berlin, den 03.05.06

MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, präsentiert am 08. Mai 2006 anlässlich des bevorstehenden Internationalen Tag gegen Homophobie (17. Mai 2006) im Rahmen der MonGay-Filmreihe AU-DELÀ DE LA HAINE. Der Film, der unter der Regie von Olivier Meyrou entstand, wurde dieses Jahr als Gewinner des Teddy Awards für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Inhalt:
In einer Septembernacht 2002 streifen drei Skinheads durch einen Park in Reims. Eigentlich wollen sie sich einen Araber vornehmen. Aber sie begegnen einem Homosexuellen und gehen auf ihn los. Der 29-jährige François Chenu setzt sich zur Wehr, bezeichnet seine Angreifer als Feiglinge. Sie schlagen ihn zusammen. Schwer verletzt ertrinkt er in einem nahe gelegenen Teich. Seine Mörder werden schnell verhaftet.

Olivier Meyrou wollte keine Dokumentation über Homophobie machen, sondern einen universellen Film über Toleranz und Intoleranz. Das Ergebnis bleibt einem lange Zeit im Gedächtnis. Voller Würde sprechen die im Film porträtierten Menschen: die Eltern von François, seine Brüder und Schwestern, der Anwalt der Familie. Man hat den Eindruck, dass Olivier Meyrou sich in die Köpfe der Personen versetzt, die er filmt.

Er nimmt sich Zeit, um mit den am Prozess Beteiligten zu sprechen, und hält so fest, wie sich im Laufe des Gerichtsverfahrens die Familie und ihr Verhalten zu den Mördern verändern. Selten hat man einen so humanistischen Film über ein derart komplexes Thema gesehen: Über den Hass und die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und Vergebung.


08. Mai 2006
Filmstart: 22:00 Uhr


Kino International
Karl-Marx-Allee 33

Kartenvorbestellung: 030 - 24 75 60 11

DKLB Maneo