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Sie können sich gern ein Exemplar der MANEO-Broschüre bei uns abholen. MANEO / Mann-O-Meter, Bülowstr.106, 10783 Berlin

Unser Broschüre ist viersprachig:

Deutsch
English Introduction
Französisch
Polnisch

Zusätzlich online: Español introduccion


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Gewalt gegen Schwule – das ist nicht gut so! MANEO–Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin – stellt sich vor


Grußworte

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin

"Seit vielen Jahren verfolge ich mit Respekt und Sympathie den professionellen Einsatz von „MANEO“ zugunsten von Opfern von Gewalt sowie die gezielte Aufklärungsarbeit im Rahmen des Projektes. Auch wenn Berlin zu Recht in dem Ruf steht, eine tolerante Stadt zu sein, bleibt noch viel zu tun, damit Schwule und Lesben wirklich frei von Diskriminierung leben können. Weiterhin besteht noch Bedarf an Beratung und Hilfe, nicht zuletzt auch an Aufklärung in der Gesellschaft.

Ich begrüße vor diesem Hintergrund die aktuellen Bemühungen von MANEO, seine gewaltpräventive Öffentlichkeitsarbeit auszubauen. Während die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport „MANEO“ als Projekt seit 1990 finanziell fördert, setzt Berlin mit der Förderung einer neuen „Informations- und Toleranzkampagne“ von MANEO durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin ein weiteres Zeichen.

Berlin ist es ernst, seinen Ruf als eine weltoffene und tolerante Stadt zu verteidigen.
Ich würde mich freuen, wenn viele Menschen und Personen des öffentlichen Lebens ihr Nein zu Gewalt und Ausgrenzung auch gegenüber Homosexuellen damit zum Ausdruck bringen, dass sie Anti-Gewalt-Projekte wie das MANEO unterstützen und fördern."





Bastian Finke, MANEO-Projektleiter

"Seit 16 Jahren besteht nun das schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO von Mann-O-Meter e.V. in Berlin. Täglich klingelt bei uns mehrfach das Telefon, über 300 Betroffene von Gewalt wurden von unseren Mitarbeitern im letzten Jahr beraten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Projektarbeit besteht darin, schwulenfeindliche Gewalttaten in Berlin und im Umland zu erfassen.

Mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, dass die noch immer in vielen gesellschaftlichen Teilbereichen bagatellisierte schwulenfeindliche Gewalt aus dem Dunkelfeld herausgeführt wird. Nur so können wir effektiv Gewaltprävention leisten. Wir weisen auf Gefahren hin und machen gleichzeitig deutlich, dass emanzipatorische Aufklärungsarbeit nach wie vor eine gesellschaftliche Pflichtaufgabe ist, um Homophobie zu überwinden.

Ohne die tatkräftige Hilfe unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie vieler weiterer Unterstützerinnen und Unterstützer, die unsere Projektarbeit zum Teil bereits seit vielen Jahren begleiten, wären die bestehenden Leistungsangebote nicht aufrecht zu erhalten. Ihnen allen gilt unsere Anerkennung und Dank.

Wir wollen unser Projekt weiterentwickeln und ausbauen. Dabei sind wir jedoch auf Hilfe und Förderung, vor allem jedes Jahr aufs Neue auf Spenden angewiesen."





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Warum MANEO ?

“I will survive!”


MANEO entstammt dem Lateinischen und bedeutet: Ich bestehe fort. Ganz egal was passiert oder was mir passiert ist, ich werde es überleben – so hat es dereinst Gloria Gaynor in ihrem Disco-Hit „I will survive“ beschrieben, ein Hit aus Zeiten, in denen es Schwule weitaus schwerer hatten, als heute. Gerade in den letzen zehn Jahren hat sich die Situation der Schwulen und Lesben in Deutschland verbessert, doch noch längst ist nicht alles gut: Schon mal auf der Straße als „Tunte“ oder „blöde Schwuchtel“ beschimpft worden? Gewalt gegen Schwule, verbal oder tätlich mit Körpergewalt, gehört leider noch immer zum Alltag. Wir reagieren darauf.


Schimpfwort Nummer Eins

„Schwul“ ist noch immer (oder schon wieder?) Schimpfwort Nummer Eins auf den Pausenhöfen, was auch damit zusammenhängt, dass Schwule sichtbarer geworden sind. Sie haben sich einen Platz in der Öffentlichkeit erobert – dadurch sind sie zugleich erkennbarer und angreifbarer geworden. „Schwul“ wird von Jugendlichen manchmal nur im übertragenen Sinn verwendet, als Synonym für „weich“, „komisch“, „seltsam“. Eine Bagatelle? Nein, denn es geht im Kern darum, einen Sachverhalt, einen Gegenstand oder einen Menschen abzuwerten. Insbesondere junge Männer möchten so ihre eigene Männlichkeit und Stärke unter Beweis stellen. Auf Kosten der Schwulen, die sie zu ihren Opfern machen. Gewalt beginnt schon mit Worten. Und leider lautet das beliebteste Schimpfwort Nummer Zwei immer noch: „Du schwule Sau“.


‚No-Show-Areas’


Jeder Schwule weiß noch immer, an welchen Orten er sich besser nicht zu erkennen gibt, in welchen Situationen man seinem Freund besser keinen Kuss gibt, wenn man in Ruhe gelassen werden möchte. Auch im liberalen Berlin ist es außerhalb szeniger Innenstadt-Bezirke manchmal klüger unterzutauchen, frei nach der Devise „es steht einem ja nicht ins Gesicht geschrieben.“
Und was, wenn es trotz aller Bedachtsamkeit aus dem Ruder gelaufen ist? Eine Faust im Gesicht, ein Tritt in die Rippen, ein böses Wort zuviel, das die Seele verletzt hat? MANEO kümmert sich darum, dass kein Schwuler darauf angewiesen ist, seinen Schmerz ganz alleine zu verarbeiten, weil er nicht weiß, wohin mit sich und seiner Verwirrung: Betroffene von Gewalt und Straftaten finden bei MANEO eine Anlaufstelle, jemanden, mit dem sie reden können – ob am Telefon oder unter vier Augen – und nicht nur das.


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Die Arbeit von MANEO

Was MANEO tut

MANEO ist ein eigenständiges Projekt von Mann-O-Meter e.V., Berlins schwulem Informations- und Beratungszentrum am U-Bahnhof Nollendorfplatz. Mann-O-Meter liegt inmitten eines Ballungsraums schwuler Szeneeinrichtungen in Berlin-Schöneberg. Wir sind dort mit zwei Büros täglich zwischen 17-19 Uhr direkt und telefonisch erreichbar. Kein großer Aufwand also, um einfach mal auf einen Kaffee vorbeizukommen. Noch einfacher (und falls gewünscht anonym) ist der Kontakt über das Internet: www.maneo.de.

Im MANEO verbinden sich ehrenamtliches Engagement und hauptamtliche Beschäftigung. Zur Zeit sind ein hauptamtlicher Mitarbeiter (Projektleiter), ein Zivildienstleistender und zehn ehrenamtliche Mitarbeiter für unser Projekt tätig. Letztere unterstützen z.B. die telefonische und persönliche Erstberatung an den Wochenenden.


Zielgruppe

Das Betreuungs-Angebot von MANEO richtet sich an schwule und bisexuelle Menschen, die von Gewalt und schwulenfeindlicher Diskriminierung betroffen sind, mit eingeschlossen sind Opfer häuslicher Gewalt. Es gibt auch Gewalt in schwulen Beziehungen. Wir sind auch für die Angehörigen, Lebenspartner und Zeugen von gewalttätigen Ereignissen da. Letztere liegen uns ebenfalls am Herzen, denn auch Zeugen können unter dem Eindruck von Gewalt leiden. Oft verlassen deshalb auch sie schnell den Tatort, später spüren sie Scham und Angst, nicht dageblieben zu sein – und ihr Fehlen vereitelt oft die Ermittlung der Täter.
Berlin ist Anziehungspunkt für Touristen, Job-Nomaden und jede Menge unerfahrene, frisch geoutete Neuzugänge aus der „Provinz“: Gerade auch für diese Menschen möchte MANEO ein Ansprechpartner sein.


Rat und Tat

Zur Tätigkeit von MANEO gehört an vorderster Stelle die Opferhilfe: Betroffene von Gewalt und Diskriminierung werden in Gesprächen aufgefangen. MANEO steht mit Rat und Unterstützung zu Seite. Damit es gar nicht erst dazu kommt, betreibt MANEO Gewaltprävention durch Aufklärung, zu der auch die Erfassung nicht angezeigter Straftaten gehört: Über 80 Prozent der Straftaten gegen Homosexuelle kommen nicht zur Anzeige. Wir bemühen uns, diese Dunkelziffer auszuleuchten.
MANEO wertet alle gewonnen Informationen aus und informiert regelmäßig die Öffentlichkeit. Wir organisieren Anti-Gewalt-Seminare und Unterrichtsveranstaltungen an Polizeischulen. Mittlerweile wissen die meisten Polizeibeamten, was homophobe Gewalt ist und sind entsprechend sensibilisiert.


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Wie MANEO hilft

Opferhilfe

Das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO wurde 1990 unter dem Namen „Schwules Überfalltelefon Berlin“ gegründet. Seitdem wurden uns etwa 3000 Fälle von Gewalt gegen Schwule und bisexuelle Männer bekannt. Weit mehr Betroffene wurden seither von uns unterstützt. Das Projekt berät jährlich über 300 Betroffene, erfasst Gewalttaten mit homophobem Hintergrund und leistet gewaltpräventive Öffentlichkeitsarbeit.


Parteilichkeit

Das Berliner MANEO-Angebot umfasst Information, Beratung und Hilfe in Form von psychosozialer und sozialarbeiterischer Unterstützung, sowohl kurz- als auch längerfristig. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gewalttat vor fünf Minuten oder fünf Jahren stattgefunden hat ist. Betroffene werden in ihrer Handlungsautonomie bestärkt – Hilfe zur Selbsthilfe, es geht auch darum, den Alltag wieder angstfrei bewältigen zu können. Die Unterstützung durch MANEO steht in reiner Parteilichkeit für das Opfer – ganz gleich, ob es um Unterstützung beim Gang zur Polizei geht oder eine außergerichtliche Konfliktregulierung („Täter-Opfer-Ausgleich“).


Niedrigschwelligkeit

Mit unserer Projektarbeit gehen wir auf das zurückhaltende Anzeigeverhalten von Betroffenen, deren nachweislich hohe Hemmschwelle gegenüber nicht-schwulen Beratungseinrichtungen und deren Wunsch nach gezielter, ihre sexuelle Orientierung berücksichtigender Unterstützung ein. Wir unternehmen nichts gegen den Willen unserer Klienten.


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Die MANEO-Toleranzkampagne

Jetzt geht's los !

Der Kernbereich unseres Projekts wird finanziell gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, hier durch den Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Seit 1993 haben wir trotz steigender Nachfrage keine bedeutende Erhöhung unserer Fördersumme erhalten und sind deshalb regelmäßig auf Spenden angewiesen.
Seit 2006 wird MANEO erstmals mit Geldern der „Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin“ (DKLB) bedacht, mit denen wir unsere Öffentlichkeitsarbeit ausbauen möchten. Das ermöglicht uns die erste große Aufmerksamkeitskampagne seit 10 Jahren!


Manche Dinge ändern sich, manche nie

Gewalttaten gegen Schwule ereignen sich trotz aller Liberalisierung nach wie vor in Berlin und fordern regelmäßig Polizei und Justiz heraus. Die Stadt wie auch die schwulen Szenen haben in den letzten Jahren Veränderungen erlebt. Dazu beigetragen haben Zuzug, Migration und Tourismus. Wir erfahren in unserer Arbeit, dass viele Betroffene, sowohl Opfer als auch Zeugen von Gewalttaten, weder unsere Angebote noch unsere Arbeit kennen. Daraus folgt, dass viele Betroffene weder den Weg zu uns noch zur Polizei finden. Deshalb zielt unsere Informationskampagne darauf, Wissen über unsere Arbeit und unsere Angebote zu verbreiten. Dank der Stiftungsgelder können wir nun erstmals auf die veränderten Berliner Bedingungen reagieren.


Information und Aufklärung heißt die Antwort

Ab 2006 wollen wir für die Dauer von 3 Jahren eine Informationskampagne in Berlin beginnen, die dem Problem schwulenfeindlicher Gewalt zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen soll. Zum einen wollen wir die Angebote von MANEO in den schwulen Szenen selbst bekannter machen und gegen die auch dort verbreitete Bagatellisierung homophober Gewalt angehen: Gewalt und Diskriminierung dürfen nicht einfach hingenommen werden, dazu gehört auch, entsprechende Fälle zu melden und / oder zur Anzeige zu bringen. Da Berlin in den letzten Jahren zu einem der weltweit populärsten Reiseziele geworden ist, werden wir unser Informationsmaterial zudem in mehreren Sprachen anbieten. Zum anderen wollen wir unser Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln, indem wir schwulenfeindliche Gewalt sichtbar machen. Wir wollen darauf hinweisen, dass errungene bürgerliche Freiheiten geschützt werden müssen und deshalb schwulenfeindliche Gewalt keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft hat.


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Homophobie

„Bist du schwul, oder was?“

Homophobie: unbegründete, übersteigerte – eventuell sogar krankhafte – Angst vor, bzw. Aversion und / oder Feindseligkeit gegenüber Homosexualität und Homosexuellen. (Definition laut Wikipedia). Menschen werden, weil sie schwul sind oder dafür gehalten werden, ausgegrenzt, diskriminiert, angegriffen oder überfallen – unabhängig von ihrer Herkunft.


Homophobie fällt nicht vom Himmel

Homophobie wird an tätlichen Übergriffen besonders sichtbar. Die Taten werden jeweils von konkreten Personen verübt. Für Gewalttaten sieht das Strafgesetzbuch eine Strafandrohung vor und sanktioniert derartige Handlungen als Straftaten. Mit der Tat bringt der Täter seine Einstellung gegenüber Homosexualität und Homosexuellen zum Ausdruck.

Diese Einstellung sehen wir aber nicht von gesellschaftlichen Einflüssen losgelöst, als ob sie ein isolierter Persönlichkeitsfaktor sei. Wir betrachten die Einstellung vielmehr als Teil einer individuellen Biographie sowie als Teil homosexuellenfeindlicher Strukturen, die in Kultur und Gesellschaft verankert sind. Der Täter beruft sich auf Vorurteile, die in der Gesellschaft gegenüber Homosexuellen latent vorhanden sind, dass Homosexuelle z.B. krank oder abnormal seien. Daraus leiten die Täter für sich ab, dass man Homosexuelle angreifen oder ausrauben kann.


Aufklärung tut Not

Unsere Informationen machen in jedem Fall deutlich: Schwulenfeindliche Diskriminierung und Gewalt sind in unserer Gesellschaft eine Tatsache. Sie sind in allen gesellschaftlichen Teilbereichen existent. Deshalb ist es unseres Erachtens nach wichtig, dass überall an der Überwindung homophober Einstellungen gearbeitet wird.

Schwulenfeindliche Gewalt steht unseres Erachtens in einem Zusammenhang mit patriarchalen Strukturen, der Suche nach männlicher Identität und fehlender Sexualaufklärung. Unsere Erkenntnisse und Bemühungen ergänzen sich daher mit Bemühungen der schulischen Emanzipations- und Aufklärungsarbeit.


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Männer als Opfer

„Bist du Opfer, oder was?“

„Opfer“ rangiert als Schimpfwort unter Jugendlichen gleich hinter „schwul“. Was kann es also schlimmeres geben, als ein „schwules Opfer“ zu sein.
Die Operhilfe ist ähnlich der Schwulenbewegung, wie der Name schon sagt, eine soziale Bewegung. Seit Jahren versuchen öffentliche und bürgerrechtliche Institutionen eine Sensibilität gegenüber den Opfern von Gewalt und Straftaten zuschaffen. Traditionell kümmert sich unsere Gesellschaft hauptsächlich um die Täter (und deren Bestrafung), die Belange der Opfer, bzw. der Geschädigten kamen zu kurz. Heute wiederum provozieren Jugendliche ihre Eltern und Erziehungsberechtigten gerne mit martialischen Macho-Posen, die das Recht des Stärkeren propagieren: „Opfer“ und „Schwule“ sind schwach. Welcher Jugendliche traut sich da noch, zur Opferhilfe zu gehen?


„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“

Schwule sind zuvorderst Männer, und Männer sind keine Opfer, zumindest wird dies gesellschaftlich noch immer so gesehen. Ein Mann hat Macht, hat die Dinge im Griff – und Gewalt geht – wenn – nur von ihm aus, denn er hat die Potenz, eine Bedrohung für andere zu sein. Jungen haben schon ab dem sechsten Lebensjahr das Muster verinnerlicht, dass sie weniger verletzbar seien: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Die Botschaft an Jungen, gleich ob schwul oder hetero ist, dass Verwundbarkeit und Verletzlichkeit für sie nicht existieren. Wer kommt zuerst in die Rettungsboote? Frauen, Mädchen und Kinder.

Die Statistik spricht jedoch eine ganz andere Sprache: Bei Mord und Totschlag, Raub- und raubähnlichen Delikten sowie bei Körperverletzungen sind zwei Drittel der Opfer männlich, dafür sind Frauen im Bereich gewaltsamer Sexualdelikte zehnmal stärker belastet als Männer.


Bloß kein Weichei sein

Wenn Männer zum Opfer werden, wird die Sache oft kompliziert. Sie selbst hängen dem gesellschaftlichen Mythos Mann an und geraten häufig in einen Identitätskonflikt. Zuzugeben, dass man Hilfe braucht, sich verletzt und unsicher fühlt, Angst hat, fällt den meisten Männern schwer. Auch schwulen Männern: Sie haben Angst, dem ihnen aufgedrückten Klischee zu entsprechen – ein Weichei zu sein. MANEO bedenkt dies mit und leistet dabei Männeremanzipationsarbeit: Bedingt durch die Anforderungen männlicher Rollenmuster entsteht bei den Betroffenen oft ein unerträglicher Druck. MANEO agiert fast immer auch im Problemfeld (der fragilen) männlichen Identität.


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MANEO hilft und dokumentiert

„Schwule Sau!“

Gewalt gegen Schwule ist grausam – und leider alltäglich. MANEO dokumentiert sämtliche an das Projekt herangetragene Straf- und Gewalttaten. Volle Aktenordner, doch eigentlich handelt es sich nur um die Spitze eines Eisberges, dessen ganzes Ausmaß im Dunkeln bleibt.


„Was soll das !?“

Ein Überfall ereignete sich am 9. März 2004 am U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park. Ein 35 Jahre alter schwuler Mann wurde am Bahnhofseingang von einer Gruppe Kinder und Jugendlicher angegriffen, die sich dort nach Angaben des Opfers regelmäßig aufhalten und ihr Unwesen treiben. Als er an der Gruppe vorbeiging, wurde er unter anderem als „schwule Sau“ beschimpft. Ihm wurde eine Zigarettenkippe hinterhergeschnipst, die an am Nacken traf. Als er mit „Was soll das?“ reagierte, jedoch weiter ging, wurde er aus der Gruppe heraus von hinten angegriffen.
Er stand bereits auf der Rolltreppe, als er rücklings zu Boden gerissen wurde. Die Täter schlugen und traten brutal auf ihn ein. Weil der Geschädigte laut um Hilfe rief und ein Zeuge von oberhalb der Treppe herunterrief, sie sollten sofort aufhören, flüchteten die Täter. Eine Gruppe von Mädchen bot dem Geschädigten anschließend Hilfe an. Der Geschädigte fuhr in die Wohnung seines Freundes und von dort aus mit einem Freund ins Krankenhaus. Der Geschädigte trug eine Platzwunde und einen gebrochenen Finger davon. Er erstattete Strafanzeige.


„Drecksschwuchtel“

Badestrand Müggelsee, 3. Juli 2001, mittags.
Ein schwules Freundespaar, 23 und 24 Jahre alt, wird von einer Gruppe Jugendlicher provoziert und beschimpft („Drecksschwuchtel“), einer der beiden wird von einem Fußtritt ins Gesicht schwer verletzt. Das Opfer erleidet einen fünffachen Kieferbruch, muss zeitweise intravenös, später durch eine Magensonde ernährt werden und im Laufe der folgenden Monate zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen.


Hilfestellung

MANEO unterstützte beide Betroffene mit Gesprächen, der Erledigung notwendiger Formalitäten und durch Weitervermittlung. Bis zur Gerichtsverhandlung, die 12 Monate später stattfand, hielten die Betroffenen mit unserer Beratungsstelle Kontakt und berichteten dabei über Rückschläge und Fortschritte ihres Genesungsprozesses.


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MANEO nimmt Gefühle ernst

„Stell Dich nicht so an!“

Gewalt verursacht ein Chaos der Gefühle. MANEO als Opferhilfe-Beratungsstelle weiß um die Probleme: Häufig spüren betroffene schwule Männer in ihrem sozialen Umfeld die Erwartungshaltung, schnell wieder „Herr der Lage zu werden“. Manchmal drängen sich nach erschütternden, verstörenden Erlebnissen auch wieder alte Erinnerungen an das eigene Coming-Out, Krisensituationen, Auseinandersetzungen mit dem eigenen Schwulsein in das Bewusstsein. Ein Gefühlschaos aus Scham, Angst und Wut.


„Ich weiß nicht mehr, wohin mit mir.“

Betroffene von Gewalt fühlen sich häufig allein gelassen und unverstanden – manchmal auch schlicht schutzlos und verängstigt. Hinzu kommt, dass sie sich den Interessen anderer ausgeliefert fühlen, z.B. denen der Polizei, der Versicherungen, der Medien oder der Justiz – wenn sie nur zur Rechtsfindung benutzt werden und ihren persönlichen Befindlichkeiten keine Rechnung getragen wird. Einige Geschädigte fühlen sich sogar mitschuldig oder ihnen wird eine Mitschuld an der Tat vorgeworfen, nicht selten auch von Bekannten oder Freunden: „Was mußt du auch so rumtucken“ oder „Warum ziehst Du Dich auch so auffällig an“.


MANEO nimmt Gewaltopfer ernst

MANEO nimmt die Ängste und Sorgen von Gewaltopfern ernst, auch die der Zeugen. MANEO unternimmt nichts, was der Betroffene nicht möchte und berät über Möglichkeiten einer Anzeigenerstattung, über das Strafverfahren oder eventuelle Alternativen. Wir vermitteln Kontakt zu erfahrenen Rechtsanwälten und Ärzten, begleiten zur Polizei und zum Gericht.
Ein erstes Beratungsgespräch erfolgt oft am Telefon, auch im Internet gibt es die Möglichkeit, zunächst anonym und schriftlich um Rat zu fragen oder eine Straftat zu melden. Die Türen der MANEO-Beratungsstelle am Nollendorfplatz stehen ebenfalls offen: Die meisten Beratungsgespräche finden hier statt.
Aber wenn es ganz schlimm kommen sollte, kommen wir beispielsweise auch ins Krankenhaus.


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Angst in der S-Bahn

„Wir hassen Schwule!“

Ein schönes Gefühl: Berlin bei Nacht, unterwegs mit all den anderen „Party-People“, die durch die Stadt stromern, um nach ihrem Glück zu suchen – doch manchmal begegnet man stattdessen blankem Hass.

Endlich nach Hause

Am frühen Sonntag Morgen fuhr ein schwules Freundespaar mit der S-Bahn nach Hause. Am S-Bahnhof Neukölln stieg eine Gruppe von sieben jungen Männern zu. Die jüngeren waren etwa 18 Jahre alt, der Rädelsführer etwa 25.

Einer aus der Gruppe rief plötzlich: „Seid ihr schwul?“. Noch bevor die Betroffenen etwas sagen konnten, riefen andere aus der Gruppe: „Ihr seid doch schwul“ und „Schwule sind der letzte Dreck“ und „Wir hassen Schwule“. Einer der Betroffenen sagte dann: „Wenn schon, Schwule sind auch Menschen“. Die Antwort des Rädelsführers: „Der schwule Wowereit, der hilft euch hier auch nicht. Wir sind hier in Neukölln“.

Gleich darauf habe einer der Täter einem der Betroffenen ins Gesicht gespuckt. Weitere Täter spuckten ebenfalls immer wieder die Opfer an.

„Bitte helft uns“

Am nächsten Bahnhof flüchteten die Betroffenen in den Nachbarwagen und riefen: „Bitte helft uns. Die wollen Schwule klatschen!“ Drei der etwa 20 Fahrgäste reagierten sofort, zwei junge Männer und eine junge Frau. Sie erkundigten sich, was passiert sei – Die Opfer empfanden dies als wohltuende Anteilnahme.

Mit dem Handy draufgehalten und gefilmt

Das Gefühl der Sicherheit war jedoch trügerisch, denn an einem der nächsten Bahnhöfe kam die Tätergruppe erneut in ihren Wagen gestürmt. Einer der Geschädigten konnte noch erkennen, wie einer der Täter sein Videohandy hochhielt, um Aufnahmen machen zu können. Während dessen trat einer der jüngeren Täter mit einem gezielten Kickboxtritt einem der sitzenden Geschädigten gegen Kopf und Schläfe, während die anderen auf den Freund des Geschädigten einboxten und prügelten.

Zeugen auf dem Quivive

Zeugen hinderten nun den Zug am Weiterfahren, ein weiterer Fahrgast verständigte über Handy die Polizei, während die Täter flüchteten. Fahrgäste nahmen sich der Betroffenen bis zum Eintreffen der Bundespolizei an.

Im Krankenhaus wurde bei einem der Geschädigten eine Nasenbeinfraktur sowie Hämatome im Gesicht und am Körper festgestellt – er leidet seitdem unter starken Kopfschmerzen. Der andere erlitt Hämatome im Gesicht sowie Prellungen an Rippen und Beinen. Die Polizei ermittelt.


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Ein Opfer erzählt

„Irgendetwas bleibt immer!“


Jürgen, 42, aus Berlin wurde mit K.O.-Tropfen betäubt und beraubt – inmitten der schwulen Szene: ein beliebtes „Jagdrevier“ für Kriminelle. Sie nehmen an, dass Schwule für sie leichte Beute sind.


„Ich hatte mich sicher gefühlt.“

„Eigentlich war es ein schöner, entspannter Sommerabend in Berlin. Ich war unterwegs, damals gab es im Metropol noch Gay-Parties. Ja, und dann morgens um vier an der Bar: Genau mein Beuteraster. Dunkle Haare, schöne Augen. Er hat mich dann auf einen Sekt eingeladen, Volltreffer. Irgendwann musste ich auf die Toilette, und danach weiß ich eigentlich nichts mehr, nur noch, dass ich das Lokal irgendwie verlassen habe. Aufgewacht bin ich dann morgens im Krankenhaus. Eine mir gut bekannte lesbische Polizistin hatte mich auf dem Gehweg in der Goltzstraße gefunden, blutüberströmt, und ins Krankenhaus gebracht. Sie war bei mir geblieben, das war ein gutes Gefühl.“


„Ich weiß einfach nicht, was passiert ist.“

„Mein Geld und die Papiere waren weg, und ich hatte am ganzen Körper Prellungen und Blutungen. Gott sei Dank war nichts gebrochen, ich konnte das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen. Danach habe ich mich erst mal zu Hause eingesperrt, so wie ich aussah, wollte ich nicht auf die Straße. Ich haben dann wieder gearbeitet, ich war damals selbstständig, aber ausgegangen bin ich wochenlang überhaupt nicht mehr, und schon gar nicht rund um den Nollendorfplatz. Ich hatte mich dort eigentlich sicher gefühlt, ich war doch auch nicht in einer Stricher-Bar, sondern auf einer ganz normalen Party.
Natürlich habe ich Anzeige erstattet, auch bei MANEO die Tat gemeldet. Ich sehe das Gesicht des Typen noch genau vor mir, ich würde ihn auch wiedererkennen. Aber was würde es schon nützen: Ich könnte ihm doch nichts beweisen.“


„Ich habe noch immer Alpträume.“


„Das ist jetzt schon zwei, drei Jahre her, aber manchmal schrecke ich noch nachts hoch, ich träume dann, dass ich torkelnd durch die Straßen laufe und gegen ein Auto renne. Ich weiß einfach nicht, was damals in dieser Nacht passiert ist, das finde ich schlimm. Mein Leben geht weiter und ich fühle mich auch nicht eingeschränkt. Ich bin aber vorsichtiger geworden, mein Bier nehme ich mittlerweile auch mit auf die Toilette. Äußerlich war ich damals nach zwei Wochen wieder hergestellt. Aber irgendwas bleibt immer.“


Eine Frage der Haltung

Zu Deiner eigenen Sicherheit

Es gibt kein Patentrezept, das geeignet ist, sich vor allen Gefahren zu schützen. Viele Ratschläge und Tipps, die Verbreitung finden, sind ebenso geeignet, Betroffenen von Gewaltstraftaten mit Vorhaltungen zu konfrontieren. Sie halten vor Augen, wie man sich eigentlich hätte verhalten sollen: „Hättest Du mal ... Wärst Du doch ... selbst schuld“. Hinterher ist man immer schlauer, MANEO macht keine Vorwürfe, sondern zielt auf Stärkung des Selbstbewusstseins und Wiederherstellung der Autonomie.


Steh zu dem, was Du bist.

Deine Sexualität gehört Dir, sie ist ein integraler Teil Deiner Persönlichkeit. Sexualität ist mehr als nur Geschlechtsverkehr, sie steht in enger Verbindung mit dem Selbstwertgefühl und der Identität: Setze Dich darüber mit Dir – und mit Menschen, die Dir nahe stehen und zu denen Du Vertrauen hast – auseinander. Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl helfen, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden.


Selbstsicher auftreten

Selbstbewusstes Auftreten schützt in vielen Fällen vor Anmache und Angriffen. Ein solches Auftreten kannst Du auch üben und trainieren, etwa mit Hilfe von Selbstbehauptungstrainings oder Selbstverteidigungskursen. Wir geben Dir gerne Auskunft über Adressen und Kontakte.


Im Gespräch bleiben

Spreche mit Dir vertrauten Menschen über Unsicherheiten, Fragen oder auch Vorkommnisse, die Dich erschreckt haben oder belasten. Auch wir unterbreiten Dir das Angebot, über Fragen und Probleme zu sprechen, Dir bei Deinen Anliegen zuzuhören und mit Dir gemeinsam nach neuen Perspektiven und Antworten zu suchen. Wir bieten Vertraulichkeit.


Anzeige erstatten

Wer Opfer von Gewalt wurde, findet die Vorstellung, sich im Anschluss daran auf einem Polizeirevier unangenehmen Befragungen auszusetzen, oft unerträglich. Eine Anzeige zu erstatten ist dennoch oft wichtig – auch für Dich und Dein Selbstbewusstsein, schließlich ist Dir Unrecht angetan worden. Wenn Du möchtest, dann hilft Dir MANEO, die Dinge auf den Weg zu bringen, d.h. über eine Anzeige die Staatsanwaltschaft in den nötigen Kenntnisstand zu setzen, damit sie ein Strafverfahren eröffnen kann.


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Tipps von MANEO

Bei Tag und Nacht

Du schützt Dich und andere, indem Du auf Nummer Sicher gehst und Solidarität zeigst.

Wenn Du ausgehst, nimm nur soviel Geld mit, wie Du brauchst. Prahle nicht vor Fremden mit Geld und Wertsachen. Behalte Schmuck zu Hause.

Hast Du ein mulmiges Gefühl, dann vertraue Deinem sechsten Sinn. Angst zu haben ist keine Schande. Sie verdeutlicht Deinen Spürsinn.

Nimm Deine Umgebung wahr. Versuche dunkle, einsame Straßen zu meiden, bleibe in der Nähe von Licht und Menschen.

Hast Du jemanden für die Nacht gefunden, stelle ihn einem Bekannten oder dem Barkeeper vor.

Mit One-Night-Stands kannst Du Sex und Spaß nicht nur zu Hause haben, sondern auch in der Sauna oder in einem (Stunden-) Hotel.

Wenn Du einen One-Night-Stand mit nach Hause nimmst, nimm nur eine Person mit.

Erscheint Dir eine Situation merkwürdig, suche Kontakt zu anderen, tausche Dich aus und entscheide Dich dann, was Du tun kannst.

Wenn Du eine Gewalttat beobachtest, hole sofort Hilfe. Schau nicht weg. Informiere die Polizei, anschließend immer auch uns.

Wenn es Dir die Situation erlaubt: Verhalte Dich kooperativ und behalte die Übersicht. (Bedenke beim Einsatz einer Waffe, dass sich diese auch gegen Dich selbst richten könnte.)

Merke Dir bei mehreren Tätern immer einen. Viele Täter lassen sich schon durch selbstbewusstes Auftreten abschrecken.

Sind Menschen – immer auch potentielle Zeugen! – in der Nähe, trete auf einen zu, und verlange von diesem seine Hilfe.

Behalte Dein Getränk im Auge. Wenn Dich ein Unbekannter in einer Bar zu einem bereits fertig gestellten Getränk einlädt, passe auf.

Lass Dich nicht mit Personen ein, die unter Drogen und Alkoholeinfluss stehen.
Lange Nächte, viel Alkohol oder andere Rauschmittel können einen Tiefschlaf für Dich zur Folge haben, der einer Person, die Du mit nach Hause genommen hast, Gelegenheit für Straftaten bietet.


Gefahren in Internet

Vorsicht bei ‚Blind Dates’

Mittlerweile gibt es zahlreiche Internet-Portale, in denen Schwule nach Kontakten, Begegnungen und manchmal auch nach dem Traumprinzen Ausschau halten. Zumindest sicherer, als nachts durch Parkanlagen zu cruisen, oder doch nicht? Online kannst Du Bekanntschaften immer nur eingeschränkt einschätzen: Du kennst weder Körpersprache noch Tonfall, Blicke oder Gesten.

Wähle Deine E-Mail-Adresse so, dass keine Rückschlüsse auf Deine Person möglich sind und benutze diese Adresse bei Kontakten mit Unbekannten. Sei vorsichtig mit der Herausgabe deiner Firmen-Emailadresse. Viele Firmen überwachen die Korrespondenz ihrer Angestellten.

Verschicke nur Fotos, hinter denen Du jederzeit stehen kannst.

Bedenke, welche und wie viele Informationen Du über Dich bereits online Unbekannten geben willst, mit denen Du identifizierbar bist und eventuell unter Druck gesetzt werden kannst.

Fairplay gehört auch ins Internet, bei Pic-Taussch oder beim Austausch von personenbezogenen Angaben oder Adressen. Bedenke jedoch, dass Du diese Angaben online nicht auf ihre Richtigkeit überprüfen kannst.

Lass Dir Zeit, wenn Du jemanden kennen lernen willst; setzte Dich nicht unter Druck und lass Dich nicht unter Druck setzen; umso eher fallen Dir eventuelle Ungereimtheiten auf.

Geh nicht gleich zu einem Dir noch unbekannten Menschen nach Hause oder lade ihn nicht gleich zu Dir nach Hause ein. Warum nicht in einem Café?

Lege Dein erstes Date auf einen Nachmittag. Das macht die Atmosphäre lockerer und es wird auch eher Kaffee als Alkohol getrunken. Man sieht dann klarer.

Erzähle Deinem Blind Date, dass Du einem Freund von Eurer Verabredung erzählt hast.

Egal wie das Treffen endet, sei ehrlich zu Deinem Blind Date. Wenn Du ihn nach dem ersten Treffen nicht mehr sehen willst, dann stehe dazu und sage ihm das. Du musst das ja nicht gleich tun. Gehe nach Hause, schlaf eine Nacht darüber und sage es ihm dann am nächsten Tag. Nett und freundlich, aber auch ehrlich und bestimmt.


MANEO arbeitet international

Total vernetzt

MANEO vernetzt: Seit 1992 arbeiten wir im bundesweiten Dachverband „Arbeitskreis der Opferhilfen in der Bundesrepublik“ mit professionellen Opferhilfeberatungsstellen zusammen. Wir haben das Schwullesbische Stadtfest ins Leben gerufen (1993-1998), den „Präventions- und Ausgleichsfonds Tempelhof-Schöneberg“ mitentwickelt (2000), in einer Arbeitsgruppe der Berliner Justizverwaltung zur Einrichtung des Zeugenzimmers am Landgericht Berlin beigetragen (2003). MANEO wirkt darüber hinaus in zahlreichen Arbeitsgruppen und Fachgremien mit, wir versuchen an möglichst vielen gesellschaftlichen Schnittstellen präsent zu sein, um unser Anliegen zu vertreten. Nach unserem Modell orientieren sich ähnliche schwule Anti-Gewalt-Projekte in ganz Deutschland.


MANEO in Europa

Wir engagieren uns längst auch international: Die Zusammenarbeit mit der französischen Partnerorganisation SOS-Homophobie haben wir intensivert, gleiches gilt für die Stiftung für Gleichberechtigung (Fundacja Rownosci) und die „Kampagne gegen Homophobie“ (KPH – Kampania Przeciw Homofobii) und Lambda-Warschau in Polen. Seit Januar 2005 trifft sich in Berlin regelmäßig die MANEO-Gruppe „Tolerancja Po Polsku“ (Toleranz auf Polnisch). Gemeinsam haben wir uns per Unterschrift verpflichtet, an einem Strang zu ziehen:


Die ‚Tolerancja-Erklärung’


„Wir einen unsere Kräfte zum Aufbau einer Bürgergesellschaft in Europa, in der wir gemeinsam und frei von Diskriminierung leben können. Wir bekunden gegenseitigen Beistand, um dieses Ziel zu erreichen.
Im Geiste der Europäischen Menschenrechtskonvention stellen wir uns gegen Hass und Gewalt sowie gegen Diskriminierung von gesellschaftlichen Minderheiten.
Wir solidarisieren uns mit Menschen, die für Bürgerrechte, Gelichberechtigung, Schutz von Minderheiten und für die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention in Europa eintreten.
Wir wollen Diskriminierung und Ausgrenzung von homosexuellen Menschen in einem vereinten Europa entgegen treten. Wir wollen dafür eintreten, dass die Grund- und Menschenrechte von Lesben und Schwulen respektiert werden.“


Der ‚Tolerantia-Preis’

Im Jahr 2006 haben unsere Projekte zum ersten Mal den ‚Tolerantia-Preis’ an Persönlichkeiten aus Frankreich, Polen und Deutschland verliehen, die sich im Kampf gegen Hassgewalt und mehr Gleichberechtigung in den Ländern stark gemacht haben. Der Preis soll ein Symbol für unsere gemeinsamen Anstrengungen sein.


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MANEO hat Recht

Das Recht ist auf unserer Seite!

Es ist längst nicht mehr nur eine Frage des guten Willens oder der Menschlichkeit, ob man Schwule respektiert. Das deutsche Gesetz spricht eine deutliche Sprache: Es ist illegal, Schwule aufgrund ihrer Identität herabzuwürdigen – wer dies doch tut, macht sich strafbar.


Von wegen krank!

Am 17. Mai 1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, Homosexualität aus der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Auf Initiative des Franzosen Louis-Georges Tin nahm die „International Lesbian and Gay Association“ (ILGA), der Weltdachverband lesbischer und schwuler Organisationen, diesen Beschluss zum Anlass, den 17. Mai zum „Internationalen Tag gegen Homophobie“ ausrufen.


Es lebe Europa!

Das Europäische Parlament hat in einer Entschließung vom 18.01.2006 betont, dass Diskriminierung wegen einer sexuellen Ausrichtung auf das Schärfste verurteilt wird. Alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert sicher zu stellen, dass homosexuelle Männer und Frauen vor Hetze und Gewalt geschützt werden, dass der Kampf gegen Homophobie durch Bildungsmaßnahmen verstärkt und Fälle von Diskriminierung und Gewalt erfasst werden. In Deutschland und Frankreich genauso wie in Polen!


Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Auch in Deutschland hat sich die Regierung der Großen Koalition nach schwerem Ringen auf eine deutsche Variante des europäisch vorgeschriebenen Antidiskriminierungsgesetzes geeignet. Im zivilrechtlichen Teil des Gesetzes wird nicht nur die Diskriminierung des Geschlechts und der ethnischen Herkunft verboten, wie von der EU vorgegeben, sondern auch wegen Behinderung, Alters, sexueller Identität sowie Weltanschauung und Religion. Bei der Frage der sexuellen Identität musste die Union am Ende doch Zugeständnisse machen. Die Berliner Landesverfassung hingegen sagt schon lange: „Niemand darf wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt oder bevorzugt werden“ (Art. 10, Absatz 2).


Anerkennung

MANEO hat zahlreiche, bundesweit einzigartige Initiativen und Projekte initiiert, wofür das Projekt 1999 den „Mete-Eksi-Preis“, 2001 den Berliner CSD-Preis für Zivilcourage und 2006 den Gewaltpräventionspreis „Chance-Award“ erhalten hat. Im Jahr 2003 würdigte die Landes- kommission Berlin gegen Gewalt die besondere Bedeutung von MANEO für die Gewaltpräventionsarbeit. Jeder rechtliche und gesellschaftliche Fortschritt, auch die Einführung des Diskriminierungsgesetzes, ist letztendlich ein Zeichen, dass MANEO auf dem richtigen Weg ist. MANEO verleiht mittlerweile selbst Preise. Doch noch immer ist genug zu tun, wie beispielsweise ein Blick zu unseren Nachbarn nach Polen zeigt.


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MANEO kurzgefasst + Impressum

MANEO – Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin (seit 1990)
Anschrift: MANEO c/o Mann-O-Meter e.V.
Bülowstraße 106
10783 Berlin
E-Mail: maneo@maneo.de
Homepage: www.maneo.de
Büro-Telefon: 030-217 532 13
Fax: 030-236 381 42
(Sprechzeiten: Montag 14.00-16.00 Uhr + Donnerstag 11.00-13.00 Uhr)
Kontakt: Bastian Finke (Dipl. Soziologe), MANEO-Projektleiter

Schwules Überfalltelefon und Opferhilfe
Beratungstelefon: 030 - 216 33 36 - täglich von 17.00-19.00 Uhr
Fax: 030-23 63 81 42
E-Mail: info@maneo.de
Homepage: www.maneo.de


Bank-Verbindung
Bank für Sozialwirtschaft – BLZ 100 205 00
Konto: 312 60 00
Stichwort: “MANEO/ Opferhilfe”


Projektbereich ‚MANEO-Toleranzkampagne’
Telefon: 030 - 70 72 56 46
Fax: 030 - 70 72 56 45
E-Mail: toleranzkampagne@maneo.de
Homepage: www.maneo-toleranzkampagne.de


Bedeutende Zusammenarbeit
-Arbeitskreis der Schwulen und Überfalltelefone und schwulen Antigewalt-Projekte in Deutschland (ASAD)
-Deutscher Pariätischer Wohlfahrtsverband (DPWV) Landesverband Berlin
-Arbeitskreis der Opferhilfen in der Bundesrepublik Deutschland (ado)
-Präventions- und Ausgleichsfonds Schöneberg-Tempelhof (PAF)
-Schwules Weimarer Dreieck


Trägerverein
MANEO ist ein eigenständiges Projekt von Mann-O-Meter e.V.
Anschrift: Mann-O-Meter e.V.
Berlins schwules Info- und Beratungszentrum (seit 1985)
Bülowstraße 106
10783 Berlin (Schöneberg)

Telefon: 030 - 216 80 08
Fax 030 - 215 70 78
E-Mail: info@mann-o-meter.de Homepage: www.mann-o-meter.de


Impressum

Herausgeber: MANEO – Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin
Ein Projekt von Mann-O-Meter e.V.
Bülowstraße 106, 10783 Berlin
Telefon: 030-2163336 – maneo@maneo.de

Projektleitung (Broschüre) und verantwortlich für den Inhalt: Bastian Finke

Redaktion: Martin Reichert

Satz und Layout: Hans G. Kegel – www.kegel-media.de
Fotos: (soweit nicht anders angegeben): Hans G. Kegel – Vielen Dank an Bernd und Gunnar

Vielen Dank an die Übersetzer:
Jurek Szczesny (Polnisch), Jennifer Dunkley (Englisch), Regis Schlagdenhaufen und Pascal Thibaut (Französisch)

Berlin, Dezember 2006 – Auflage: 5.000

DKLB Maneo